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Ulrike Guérot und Hauke Ritz über US-Einfluss auf Europa, Kapitalinteressen und Faschismus

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6

Minuten)

Originaltitel:

Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten | Ulrike Guérot & Hauke Ritz

Veröffentlicht am:

13. November 2025

Person:

Dauer:

52:26

Kurzbeschreibung

Ulrike Guérot und Hauke Ritz besprechen Werner Rügemers Buch Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten. Im Mittelpunkt stehen Rügemers Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Expansion der USA, der Einfluss amerikanischer Konzerne auf Europa, die Beziehungen zu faschistischen Regimen sowie die Frage, wie eigenständig Europa gegenüber den USA war und ist.

Zusammenfassung

Die USA als von privaten Kapitalinteressen geprägter Staat

Ulrike Guérot und Hauke Ritz nehmen Werner Rügemers Buch zum Ausgangspunkt für eine Diskussion über die Geschichte der amerikanisch-europäischen Beziehungen. Ritz beschreibt das Buch als faktenreich und aufgrund der Vielzahl kurzer Kapitel und Belege teilweise schwer zu lesen. Die Darstellung beginne zunächst mit der inneren Geschichte der USA: der Behandlung der indigenen Bevölkerung, der Sklaverei, der Bekämpfung von Gewerkschaften sowie der Expansion in die Karibik, nach Mittelamerika und auf die Philippinen.

Ritz sieht als grundlegendes Motiv des Buches eine starke Stellung privater wirtschaftlicher Interessen. Unternehmen wie die United Fruit Company hätten demnach erheblichen Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik ausgeübt. Guérot greift hierzu die Unterscheidung zwischen einem „souveränen Staat“ und „souveränem Kapital“ auf. Ihrer Interpretation zufolge beschreibt Rügemer die USA als ein System, in dem große private Kapitalinteressen häufig stärker seien als staatliche oder gesellschaftliche Gemeinwohlinteressen. [05:03–16:14]

Expansion nach Europa und Verhältnis zum Faschismus

Nach Darstellung der beiden Sprecher verlagert sich Rügemers Untersuchung anschließend nach Europa. Amerikanische Unternehmen hätten sich insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg in europäischen Volkswirtschaften engagiert. Ritz zufolge seien Teile der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzelite von der Stärke europäischer Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften beunruhigt gewesen.

Beide heben Rügemers Darstellung hervor, wonach Mussolinis Italien in Teilen der amerikanischen Wirtschaft positiv beurteilt worden sei. Guérot verweist auf eine im Buch behandelte Haltung der Wall Street, nach der auch andere europäische Staaten einen Politiker wie Mussolini gebrauchen könnten. Sie fasst einen zentralen Argumentationsstrang des Buches dahingehend zusammen, dass amerikanische wirtschaftliche Eliten sozialistische und kommunistische Bewegungen als Bedrohung betrachtet und deshalb autoritäre beziehungsweise faschistische Kräfte unterstützt hätten. [16:55–20:42]

Die beiden sprechen in diesem Zusammenhang über Mussolini, Franco und Hitler. Nach ihrer Wiedergabe des Buches seien politische Unterstützung, Investitionen, Rohstofflieferungen und Öffentlichkeitsarbeit amerikanischer Akteure für solche Regime beziehungsweise Bewegungen relevant gewesen. Guérot betont dabei, dass dies europäische Verantwortung für den Faschismus nicht aufhebe, das Buch aber zusätzlich die Rolle amerikanischer Unternehmen und Finanzakteure beleuchte. [17:29–20:18]

Rassismus, Eugenik und kulturelle Verbindungen

Ein weiterer Themenkomplex betrifft Rassismus, Antisemitismus und Eugenik. Ritz argumentiert, rassistische Denkformen seien unter anderem aus Großbritannien und den USA nach Deutschland gelangt. Guérot verweist auf die im Buch beschriebenen eugenischen Programme und auf Henry Fords Antisemitismus sowie dessen Einfluss auf Hitler.

Auch die Filmindustrie wird behandelt. Nach Ritz‘ Wiedergabe beschreibt Rügemer einerseits Goebbels‘ Interesse an der subtileren Propagandawirkung Hollywoods, andererseits wirtschaftliche Anpassungen Hollywoods an den deutschen Markt während der NS-Zeit. Die Filmindustrie habe Inhalte verändert, um weiterhin Filme in Deutschland vertreiben zu können. [21:45–28:17]

Weltkriege und wirtschaftliche Interessen

Beim Ersten Weltkrieg greifen Guérot und Ritz Rügemers These auf, dass wirtschaftliche Interessen eine wesentliche Rolle für den amerikanischen Kriegseintritt gespielt hätten. Ritz nennt insbesondere amerikanische Kredite an Frankreich. Guérot verweist außerdem auf den Einfluss der USA bei den Versailler Verhandlungen, obwohl die USA den Friedensvertrag anschließend selbst nicht ratifizierten. [40:29–42:14]

Für den Zweiten Weltkrieg zitieren die beiden die im Buch vertretene These, die USA hätten sowohl Deutschland als wirtschaftlichen Konkurrenten als auch die Sowjetunion als sozialistischen Systemgegner betrachtet. Rügemer interpretiere die amerikanische Strategie deshalb dahingehend, dass Deutschland und die Sowjetunion sich zunächst gegenseitig schwächen sollten. Ritz führt hierzu eine Äußerung Harry Trumans an, wonach jeweils die schwächere Seite unterstützt werden solle, damit sich beide möglichst stark gegenseitig bekämpften. [31:28–34:40]

Nachkriegsordnung und amerikanische Hegemonie

Nach Darstellung von Ritz beschreibt Rügemer auch die Nachkriegsordnung als amerikanisch geprägt. Institutionen wie Internationaler Währungsfonds und Weltbank seien Teil eines westlichen Systems geworden, aus dem die Sowjetunion weitgehend ausgeschlossen gewesen sei. Die amerikanische Politik habe sich schnell auf Eindämmung ausgerichtet. [38:15–38:54]

Guérot und Ritz verbinden diese historischen Darstellungen mit der Frage, ob das verbreitete Bild einer gleichberechtigten transatlantischen Freundschaft zutreffend sei. Guérot erinnert an Frankreich unter Charles de Gaulle, das eine größere europäische Eigenständigkeit zwischen den USA und der Sowjetunion angestrebt habe. Beide vertreten die Auffassung, die USA hätten andere Staaten häufig weniger als gleichberechtigte Partner denn innerhalb hegemonialer Beziehungen betrachtet. [44:20–48:18]

Zum Ende betonen sie, ihre Buchbesprechung solle nicht als generelle Ablehnung der USA oder ihrer Bevölkerung verstanden werden. Ritz hält es jedoch für notwendig, historische Aspekte amerikanischer Machtpolitik stärker wahrzunehmen. Eine tatsächliche Partnerschaft zwischen Europa und den USA setze aus seiner Sicht Gleichberechtigung, Kenntnis der jeweiligen Interessen und europäische Eigenständigkeit voraus. [48:20–50:07]

Zentrale Aussagen

  • Hauke Ritz beschreibt Rügemers Buch als umfangreich belegt, faktenreich und zugleich aufgrund seiner Struktur teilweise schwer lesbar. [04:36–07:46]
  • Ritz sieht einen Grundgedanken des Buches darin, dass private Konzerne und Kapitalinteressen die amerikanische Außenpolitik stark geprägt hätten. [05:43–07:14]
  • Ulrike Guérot greift die Unterscheidung zwischen staatlicher Souveränität und „souveränem Kapital“ auf und interpretiert die USA als besonders stark von privaten Wirtschaftsinteressen geprägt. [12:30–14:27]
  • Guérot und Ritz führen aus, dass Rügemer die Stärke sozialistischer und gewerkschaftlicher Bewegungen in Europa als Problem für amerikanische Investoren beschreibt. [17:03–20:34]
  • Guérot hebt Rügemers Darstellung hervor, wonach Teile der Wall Street Mussolini positiv beurteilt hätten. [20:34–21:32]
  • Beide besprechen Rügemers These, dass amerikanische Unternehmen beziehungsweise Eliten Mussolini, Franco und Hitler wirtschaftlich oder politisch unterstützt hätten. [17:29–26:37]
  • Ritz erläutert die im Buch dargestellten Verbindungen zwischen Rassismus, Eugenik und gesellschaftlichen Entwicklungen in Großbritannien, den USA und Deutschland. [21:45–24:15]
  • Ritz beschreibt Rügemers Darstellung einer gegenseitigen Annäherung zwischen Hollywood und dem NS-Regime aus wirtschaftlichen und propagandistischen Interessen. [26:37–28:17]
  • Guérot sieht im Buch einen grundlegenden Gegensatz zwischen sozialen beziehungsweise gemeinwohlorientierten Bewegungen und einer auf freien Kapitalverkehr ausgerichteten amerikanischen Politik. [29:55–31:05]
  • Ritz gibt Rügemers These wieder, nach der die USA im Zweiten Weltkrieg sowohl Deutschland als Konkurrenten als auch die Sowjetunion als Systemgegner schwächen wollten. [31:28–34:40]
  • Beide behandeln den Einfluss der USA auf die europäische Nachkriegsordnung und Institutionen wie IWF und Weltbank. [38:15–38:54]
  • Guérot und Ritz stellen am Ende die Vorstellung einer gleichberechtigten transatlantischen Freundschaft infrage und fordern für eine Partnerschaft mehr europäische Eigenständigkeit und Augenhöhe. [47:16–50:07]

Genannte Personen und Organisationen

  • Werner Rügemer
  • Ulrike Guérot
  • Hauke Ritz
  • Benito Mussolini
  • Adolf Hitler
  • Francisco Franco
  • Woodrow Wilson
  • Harry Truman
  • Henry Ford
  • Joseph Goebbels
  • Leni Riefenstahl
  • Ernest Hemingway
  • Charles de Gaulle
  • Winston Churchill
  • Allen und John Foster Dulles
  • Bill Gates
  • Donald Trump
  • Dirk Pohlmann
  • United Fruit Company
  • Wall Street
  • Vatikan
  • NATO
  • Internationaler Währungsfonds
  • Weltbank
  • European Democracy Lab
  • European Citizens Radio

Genannte Zahlen und konkrete Angaben

  • Das besprochene Buch wird auf 2023 datiert. [03:46]
  • Guérot erwähnt 38 Folgen des European Citizens Radio auf Spotify und etwa 12 oder 13 Folgen auf YouTube. [01:00–01:18]
  • Der 14-Punkte-Plan Woodrow Wilsons wird im Gespräch auf den 8. Januar 1918 datiert. [41:21]
  • Guérot nennt eine Passage, nach der 888 Angeklagte nach dem Ersten Weltkrieg freigesprochen worden seien. [42:14–42:37]
  • Frankreichs Rückzug aus der integrierten NATO-Kommandostruktur wird im Gespräch mit 1966 verbunden. [45:17]
  • Das Publikum habe das European Democracy Lab nach Guérots Angaben im Sommersemester mit 6.000 Euro unterstützt. [51:01–51:26]

Genannte Quellen, Bücher, Studien oder Dokumente

  • Werner Rügemer: Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten
  • Hauke Ritz: Warum der Weltfrieden von Deutschland abhängt
  • Erik Branca, französischer Publizist: ein im Gespräch als L’ami américain beziehungsweise „Der amerikanische Freund“ bezeichnetes Buch; genaue bibliografische Angaben sind im Transkript teilweise unklar. [44:20–45:45]
  • Stefan Baron: ein thematisch ähnliches Buch; Titel wird im Gespräch nicht genannt. [45:45–46:14]
  • Kees van der Pijl: ein von Guérot sinngemäß als Sovereign Capital versus Sovereign State bezeichnetes Werk; genaue Angabe unsicher. [12:49–13:21]
  • Woodrow Wilsons 14-Punkte-Plan
  • Versailler Vertrag
  • Dawes-Plan
  • Young-Plan
  • Vertrag von Rapallo
  • Vertrag von Trianon

Unklare oder nicht sicher zuordenbare Stellen

Mehrere Eigennamen und Buchtitel sind durch die automatische Transkription stark entstellt. Insbesondere bei den französischen und niederländischen Autoren sowie einzelnen historischen Personen ist die genaue Schreibweise aus dem Transkript allein nicht sicher festzustellen. Auch einzelne Sprecherwechsel innerhalb längerer Dialogpassagen sind nicht eindeutig markiert; dort wurde die Zuordnung nur vorgenommen, wenn sie aus dem Gesprächsverlauf hervorging.

Transparenzhinweis: Diese Zusammenfassung verdichtet ausschließlich die im Video geäußerten Inhalte. Sie enthält keine inhaltliche Bewertung oder externe Faktenprüfung. Aussagen in der Zusammenfassung sind den jeweiligen Sprechern zuzurechnen und nicht als redaktionelle Position der Plattform zu verstehen. Näheres zur Arbeitsweise finden Sie hier.

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