Zusammenfassung
Demokratie als Instrument zur Zivilisierung von Macht
Nach einer Einführung durch den ÖDP-Landesvorsitzenden Tobias Ruff beginnt Rainer Mausfeld seinen Vortrag mit der Frage, was Demokratie ursprünglich bedeutet habe. Der angekündigte „Abgrund“ bezeichnet für ihn einen zivilisatorischen Rückschritt: den Abbau gesellschaftlicher Errungenschaften und die Rückkehr zu einer Herrschaft des Stärkeren.
Mausfeld argumentiert, der Begriff Demokratie sei in der politischen Sprache weitgehend ausgehöhlt worden. Während Demokratie heute allgemein als positiv gelte, sei sie über Jahrtausende von den gebildeten und herrschenden Schichten abgelehnt worden. Diese Bedeutungsverschiebung erkläre sich daraus, dass unter Demokratie heute häufig etwas anderes verstanden werde als in ihrer ursprünglichen Konzeption.
Die antike Demokratie sei nicht lediglich aus dem Wunsch nach individueller Freiheit oder Selbstbestimmung entstanden. Sie sei vor allem ein Schutzinstrument gegen die Bildung parasitärer Eliten gewesen. Frühere Kulturen hätten bereits erkannt, dass Macht nach weiterer Macht und Besitz nach weiterem Besitz strebe. Ohne gesellschaftliche Begrenzung bedrohe diese Dynamik den Zusammenhalt einer Gemeinschaft.
Als Kern der ursprünglichen Demokratie beschreibt Mausfeld die politische Gleichberechtigung der Bürger sowie die vollständige Kontrolle und Rechenschaftspflicht politischer und ökonomischer Eliten gegenüber der gesellschaftlichen Basis. Machtstrukturen müssten ihre Existenz rechtfertigen, und jeder Bürger müsse an Entscheidungen beteiligt sein, die sein gesellschaftliches Leben betreffen. In der Aufklärung sei diese Idee für moderne Gesellschaften weiterentwickelt und mit dem Rechtsstaat verbunden worden.
Entzivilisierung, Ungleichheit und autoritärer Staatsumbau
Mausfeld sieht seit mehreren Jahrzehnten einen gegenläufigen Prozess: eine „Entzivilisierung von Macht“. Als Beispiele nennt er die Ökonomisierung gesellschaftlicher Beziehungen, den Abbau des Sozialstaates, extreme soziale Ungleichheit, den Ausbau des Sicherheits- und Überwachungsstaates sowie die Einschränkung des öffentlichen Debattenraums.
Auch die Medien hätten nach seiner Einschätzung ihre demokratische Funktion weitgehend aufgegeben. Statt Bürger möglichst neutral über gesellschaftliche Vorgänge zu informieren, seien sie zu Instrumenten der Informationskriegsführung im Dienst bestehender Machtverhältnisse geworden.
Zur Vermögensverteilung führt Mausfeld einen Oxfam-Bericht an. Demnach habe das reichste Prozent der Weltbevölkerung während der Coronapandemie einen großen Anteil des weltweiten Vermögenszuwachses erhalten. Das Vermögen der zehn reichsten Menschen sei von etwa 700 Milliarden auf 1,5 Billionen US-Dollar gestiegen.
Eine Untersuchung der RAND Corporation beschreibt Mausfeld als Beispiel für eine langfristige Umverteilung. Durch Veränderungen bei Steuern, Abschreibungen und anderen gesetzlichen Regelungen seien immer größere Anteile des gemeinsam erwirtschafteten Wohlstands an obere Einkommensgruppen geflossen. Diese Entwicklung erfolge langsam und jeweils gesetzeskonform. Mausfeld verwendet dafür das Bild einer Sperrklinke, die sich schrittweise nur in Richtung einer Umverteilung von unten nach oben bewege.
Kognitive Schwächen und der Verlust historischer Zusammenhänge
Als einen Grund für die geringe Wahrnehmung solcher Entwicklungen nennt Mausfeld psychologische Mechanismen. Menschen stünden im Bann des Augenblicks und neigten dazu, bei der Beurteilung aktueller Ereignisse deren längere Vorgeschichte auszublenden. Dieser Mechanismus reduziere im Alltag Komplexität, könne jedoch gezielt zur Beeinflussung politischer Urteile genutzt werden.
Den Ausbau eines autoritären Sicherheitsstaates führt Mausfeld deshalb nicht allein auf die Coronazeit zurück. Er zeichnet eine Entwicklung vom Adenauer-Erlass über den Radikalenerlass und die Notstandsgesetze bis zu späteren Maßnahmen der Terrorismusbekämpfung und dem Kampf gegen Desinformation nach. Krisen und ausgerufene Gefahren ermöglichten es der Exekutive, Grundrechte einzuschränken und demokratische Kontrollmechanismen zurückzudrängen.
Bereits frühere Autoren hätten auf Defizite der westdeutschen Demokratie hingewiesen. Mausfeld zitiert beziehungsweise erwähnt Heinz Düx, Sebastian Haffner und Karl Jaspers. Jaspers habe vom Zerfall einer Demokratie gesprochen, die in der Bundesrepublik noch gar nicht vollständig verwirklicht gewesen sei.
Kapitalismus, Repression und demokratische Zugeständnisse
Unter Bezug auf die politische Ökonomie argumentiert Mausfeld, kapitalistische Demokratien seien historisch häufig dann entstanden, wenn offene Repression für Eliten zu kostspielig geworden sei und bloße Versprechungen nicht mehr ausgereicht hätten. Demokratie könne in dieser Perspektive als kostengünstige Form der Revolutionsvermeidung verstanden werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es zeitweise eine Verbindung von Kapitalismus, Sozialstaat und sozialdemokratischen Zugeständnissen gegeben. Seit den 1970er-Jahren sei diese Verbindung schrittweise aufgekündigt worden. Da die Kosten der Kontrolle durch Massenmedien und andere Formen der „Soft Power“ heute niedrig seien, könnten demokratische Zugeständnisse wieder zurückgenommen werden.
Geopolitik und US-amerikanische Hegemonie
Mausfeld warnt davor, politische Entwicklungen in Deutschland ausschließlich aus innerdeutschen Verhältnissen zu erklären. Sie müssten in einen größeren geopolitischen Zusammenhang eingeordnet werden. Die USA beschreibt er als gegenwärtige militärische Ordnungsmacht des Weltkapitalismus.
Die sogenannte Zeitenwende versteht Mausfeld als weitgehende Unterordnung deutscher Politik unter US-amerikanische Hegemonialinteressen. Als Folgen nennt er eine Schwächung der deutschen Wirtschaft, eine eskalierende Kriegsrhetorik, steigende Rüstungsausgaben und weiteren Druck auf den Sozialstaat.
Die US-amerikanische Hegemonialpolitik führt er auf langfristige Strategiedokumente wie NSC 68 und die Wolfowitz-Doktrin zurück. Nach seiner Darstellung beanspruchten die USA das Recht, weltweit militärisch zu intervenieren und ihre Vorherrschaft gegen mögliche Konkurrenten zu sichern. Hinter dieser Politik stehe ein westlicher Exzeptionalismus: die Vorstellung, der Westen nehme eine besondere zivilisatorische Stellung ein und dürfe zur Durchsetzung seiner Werte auch das Völkerrecht überschreiten.
Wer politische Entscheidungen beeinflusst
Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, wer in westlichen Demokratien tatsächlich politische Entscheidungsmacht besitzt. Mausfeld verweist auf eine Untersuchung von Martin Gilens und Benjamin Page aus dem Jahr 2014. Diese komme für die USA zu dem Ergebnis, dass die unteren 50 Prozent der Einkommensverteilung nahezu keinen eigenständigen Einfluss auf politische Entscheidungen hätten. Dominierend seien Wirtschaftsorganisationen und wohlhabende Bürger.
Eine entsprechende Untersuchung für Deutschland habe ein ähnliches Muster ergeben. Politische Anliegen einkommensschwacher Bürger hätten zwischen 1998 und 2015 eine besonders geringe Wahrscheinlichkeit gehabt, umgesetzt zu werden. Mausfeld folgert daraus, dass Parlamentswahlen bei grundlegenden Entscheidungen kaum noch eine Rolle spielten, sofern die Interessen großer Bevölkerungsgruppen denen der Eliten widersprächen.
Formal freie und psychologisch unfreie Wahlen
Selbst formal freie Wahlen seien nach Mausfeld nicht notwendigerweise psychologisch frei. Entscheidend sei nicht allein der Moment der Stimmabgabe, sondern die vorherige Meinungsbildung. Wenn diese bereits durch Medien, Werbung und ideologische Vorgaben beeinflusst worden sei, ändere die formale Wahlfreiheit wenig.
Wahlwerbung vergleicht er mit Konsumwerbung. Beide zielten nicht primär auf neutrale Information, sondern auf die Beeinflussung von Entscheidungen. Kapitalmacht ermögliche es bestimmten Akteuren, ihre Botschaften stärker zu verbreiten und den politischen Denkraum zu prägen.
Wahlen hätten deshalb häufig einen symbolischen Charakter. Sie bestätigten die Vorstellung der Volkssouveränität, während grundlegende Machtstrukturen unangetastet blieben. Das Spannungsverhältnis zwischen der Rhetorik demokratischer Kontrolle und der tatsächlichen politischen Wirkungslosigkeit erzeuge Ohnmacht und Vertrauensverlust.
Ideologische Macht und der „Maschinenraum“ der Medien
Als ideologische Macht bezeichnet Mausfeld die Fähigkeit, Begriffe, Deutungsrahmen und Erzählungen zu kontrollieren, mit denen Menschen ihre gesellschaftliche Wirklichkeit verstehen. Diese Form der Macht greife nicht erst bei einzelnen Schlussfolgerungen ein, sondern präge bereits die Kategorien, in denen gedacht werde.
Zur Veranschaulichung verwendet er Platons Höhlengleichnis. Die Menschen hielten die ihnen vorgeführten Schatten für die einzige Realität und könnten die Mechanismen ihrer Täuschung nicht erkennen. Wer versuche, sie zu befreien, werde möglicherweise aggressiv zurückgewiesen. Mausfeld verbindet dies mit der Ablehnung von Whistleblowern und Menschen, die vorgegebene Deutungen infrage stellten.
Die Medien seien der „Maschinenraum der Ideologieproduktion“. Dazu zählt er nicht nur Zeitungen, Fernsehen und Internet, sondern auch Unterhaltungsindustrie, Schulen und Universitäten. Menschen seien auf solche Vermittlungsinstanzen angewiesen, weil sie nur einen kleinen Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit selbst erleben könnten.
Wege aus der ideologischen Höhle
Für mögliche Gegenstrategien stellt Mausfeld zunächst die Qualität der Fragen in den Mittelpunkt. Wer bereits falsche oder ideologisch geprägte Fragen stelle, könne keine emanzipatorisch brauchbaren Antworten erhalten. Deshalb solle nicht einfach gefragt werden, wie „unsere Demokratie“ zurückgewonnen werden könne. Zunächst müsse geklärt werden, ob es sich überhaupt um eine vom Volk kontrollierte Demokratie gehandelt habe.
Er fordert neue gemeinsame Vorstellungen von einer gerechten Gesellschaft. In früheren Kulturen habe Gerechtigkeit vor allem bedeutet, Schwache vor Starken zu schützen. Eine solche gemeinsame Zielvorstellung sei heute weitgehend verloren gegangen.
Zudem müsse die durch den Neoliberalismus geförderte soziale Vereinzelung überwunden werden. An die Stelle atomisierter Individuen müsse wieder ein kollektives Handlungssubjekt treten. Mausfeld verweist auf frühere Arbeiterbewegungen, Gewerkschaften und Parteien, die eine gemeinsame Identität und langfristige Strategien entwickelt hätten.
Emanzipatorische Bewegungen müssten außerdem ihre eigenen Niederlagen untersuchen. Viele Protestbewegungen der vergangenen Jahrzehnte seien politisch weitgehend wirkungslos geblieben oder durch Spaltung geschwächt worden. Die Gegenseite verfüge dagegen über Thinktanks, Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen und finanzierte Experten, die Ziele und Strategien ausarbeiteten.
Als wichtigstes verfügbares Gegenmittel nennt Mausfeld nach Ferdinand Lassalle „das Aussprechen dessen, was ist“. Damit meint er nicht das ungefilterte Äußern persönlicher Vorurteile, sondern das Benennen von Machtstrukturen und ideologischen Mechanismen. Jeder könne dies im eigenen Lebensbereich tun.
Demokratie als kollektiver Lernprozess
Unter Bezug auf Rosa Luxemburg betont Mausfeld, eine neue gesellschaftliche Ordnung könne nicht von oben verordnet werden. Der Abbau schädlicher Strukturen lasse sich beschließen, der Aufbau neuer Formen müsse jedoch durch kollektive Erfahrung entstehen.
Demokratie bedeute deshalb nicht, dass demokratische Entscheidungen automatisch gut oder rational seien. Entscheidend sei die Möglichkeit, Entscheidungen aufgrund neuer Erfahrungen wieder zu verändern. Das Volk sei ein „lernender Souverän“. Voraussetzung dafür sei eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der Kreativität, Erprobung und gemeinsame Lernprozesse möglich seien.
Mausfeld lehnt einfache Programme und autoritativ vorgegebene Lösungen ab. Ideen zur Zivilisierung von Macht müssten von der gesellschaftlichen Basis entwickelt werden. Das demokratische Schutzinstrument sei der Bevölkerung gegenwärtig weitgehend entzogen worden; es könne nur durch kollektive Prozesse zurückgewonnen werden.
Fragerunde
In der Diskussion erklärt Mausfeld, Demokratie sei historisch immer Teil eines Wechselspiels von Macht und Gegenmacht gewesen. Ihr wiederholtes Scheitern bedeute nicht, dass das Konzept ungeeignet sei. Vielmehr müssten die Techniken untersucht werden, mit denen demokratische und emanzipatorische Bewegungen bekämpft, gespalten oder vereinnahmt würden.
Eine Autokratie betrachtet er nicht als allgemeine Alternative. Ob jemand autoritäre Herrschaft bevorzuge, hänge von individuellen Wertvorstellungen ab. Demokratie setze kein idealisiertes Menschenbild voraus. Sie müsse so konstruiert sein, dass sie auch mit egoistischen, machtorientierten Menschen umgehen könne.
Auf die Frage, wie aus Zuschauern aktive politische Akteure werden könnten, verweist Mausfeld auf die Bindung an Konsum, Wohlstand und den Status quo. Viele Menschen hätten sich mit der bestehenden Lebensweise arrangiert und fürchteten die Unsicherheit grundlegender Veränderungen.
Streiks bezeichnet er als berechtigt, sieht sie jedoch meist als begrenzte Korrekturen innerhalb eines größeren Systems gesellschaftlicher Abschöpfung. Proteste sollten nicht bei einzelnen Empörungen stehen bleiben, sondern die zugrunde liegenden Macht- und Eigentumsstrukturen untersuchen.
Zur Weltgesundheitsorganisation und anderen Krisenthemen warnt er vor einem ständigen Wechsel von einer Empörung zur nächsten. Krisen seien regelmäßig Gelegenheiten, Macht auszubauen und Umverteilung voranzutreiben. Entscheidend sei daher, solche Vorgänge in langfristige Entwicklungen des Sicherheits- und Überwachungsstaates einzuordnen.
Die Schwierigkeit kleiner Graswurzelbewegungen liege unter anderem im Verlust eines kollektiven historischen Gedächtnisses. Frühere emanzipatorische Erfahrungen seien in umfangreichen Bibliotheken dokumentiert, würden aber kaum noch vermittelt. Früher hätten öffentliche Intellektuelle diese Vermittlungsfunktion übernommen. Eine solche sichtbare Schicht kritischer Intellektueller existiere nach Mausfeld heute kaum noch.
Macht könne nicht vollständig abgeschafft werden, da das Streben danach zur menschlichen Grundausstattung gehöre. Sie müsse daher kollektiv kontrolliert und institutionell begrenzt werden. Die Aufgabe demokratischer Gesellschaften bestehe darin, die Entstehung von Eliten zu verhindern, die Macht und Besitz auf Kosten anderer akkumulierten.
Auch für große und heterogene Gesellschaften sei Demokratie grundsätzlich möglich. Die antike Demokratie sei zwar an überschaubare, relativ homogene Gemeinschaften gebunden gewesen, doch die Aufklärung habe Konzepte für moderne Gesellschaften entwickelt.
Bei Themen wie Klima, Corona oder den Anschlägen vom 11. September sieht Mausfeld ein hohes Spaltungspotenzial. Protestbewegungen dürften sich nicht durch einzelne Konfliktthemen gegeneinander aufbringen lassen und dabei gemeinsame Ziele aus den Augen verlieren.
Historische Erfolge wie das Frauenwahlrecht, der Sozialstaat, die Abschaffung der Sklaverei oder der Kampf gegen Rassentrennung zeigten, dass emanzipatorische Fortschritte möglich seien. Diese seien jedoch nie dauerhaft gesichert. Macht und Gegenmacht blieben in einem fortlaufenden Prozess.
Auf die Frage, wie Menschen überzeugt werden könnten, die ausschließlich etablierten Medien vertrauten, antwortet Mausfeld, dass nicht jeder umgestimmt werden könne oder müsse. Demokratie beinhalte gerade eine Vielfalt von Meinungen. Emanzipatorische Gruppen müssten ihre Vorstellungen jedoch so attraktiv machen, dass in günstigen historischen Situationen auch größere Teile der Bevölkerung ihnen folgen könnten.
Zentrale Aussagen
- 00:05:43: Mausfeld bezeichnet den „Abgrund“ als zivilisatorischen Rückschritt und Abbau historisch errungener Schutzmechanismen.
- 00:12:47: Er spricht von einem kollektiven Gedächtnisverlust über die ursprüngliche Bedeutung der Demokratie.
- 00:15:52: Demokratie sei als Schutz vor der Entstehung parasitärer Eliten entwickelt worden.
- 00:16:55: Politische und ökonomische Macht müsse sich gegenüber den Betroffenen rechtfertigen und ihrer Kontrolle unterliegen.
- 00:18:34: Seit mehreren Jahrzehnten beobachtet Mausfeld einen Prozess der Entzivilisierung von Macht.
- 00:21:00: Er verweist auf eine stark zunehmende Konzentration von Vermögen während der Coronapandemie.
- 00:24:25: Psychologische Mechanismen erschwerten es, langsame gesellschaftliche Veränderungen und historische Vorgeschichten wahrzunehmen.
- 00:31:34: Kapitalistische Demokratien seien historisch häufig als kostengünstige Alternative zu offener Repression entstanden.
- 00:37:45: Die Zeitenwende deutet Mausfeld als Unterordnung deutscher Politik unter US-amerikanische Hegemonialinteressen.
- 00:44:21: Die entscheidende Frage sei nicht, wie ein Staat sich bezeichne, sondern wer tatsächlich politische Entscheidungen beeinflusse.
- 00:45:30: Nach den von ihm angeführten Studien hätten einkommensschwache Bevölkerungsgruppen nahezu keinen eigenständigen politischen Einfluss.
- 00:49:21: Wahlen könnten formal frei, aber wegen manipulierter Meinungsbildungsprozesse psychologisch unfrei sein.
- 00:59:53: Ideologische Macht kontrolliere Denkbegriffe, Deutungsrahmen und gesellschaftliche Erzählungen.
- 01:11:03: Medien bilden nach Mausfeld den zentralen „Maschinenraum der Ideologieproduktion“.
- 01:14:24: Gesellschaftliche Bewegungen müssten wieder eigene Vorstellungen einer gerechten und wohlgeordneten Gesellschaft entwickeln.
- 01:16:33: Emanzipatorische Bewegungen sollten ihre historischen Erfolge, Niederlagen und Spaltungen analysieren.
- 01:22:55: Als wichtiges politisches Mittel nennt Mausfeld das Aussprechen und Sichtbarmachen tatsächlicher Machtverhältnisse.
- 01:25:12: Demokratie versteht er als kollektiven Lernprozess, in dem Entscheidungen aufgrund neuer Erfahrungen veränderbar bleiben.
- 01:49:16: Ohne die Wiedergewinnung kollektiver Identität könnten vereinzelte Menschen keine wirksame Gegenmacht entwickeln.
- 02:03:42: Macht lasse sich nicht abschaffen, sondern müsse durch die gesellschaftliche Basis robust kontrolliert werden.
- 02:12:45: Emanzipatorische Fortschritte seien historisch möglich, aber niemals dauerhaft gesichert.
- 02:21:19: Gesellschaftliche Veränderungen seien häufig von kleinen Gruppen ausgegangen, deren Anliegen zeitweise für größere Teile der Bevölkerung attraktiv wurden.
Genannte Personen und Organisationen
- Rainer Mausfeld
- Tobias Ruff
- Ökologisch-Demokratische Partei – ÖDP
- Hans Kelsen
- Arundhati Roy
- Ingeborg Maus
- Emma Goldman
- Kurt Tucholsky
- Heinz Düx
- Fritz Bauer
- Sebastian Haffner
- Karl Jaspers
- Daron Acemoğlu
- James A. Robinson
- Wolfgang Streeck
- Angela Merkel
- Frank-Walter Steinmeier
- Martin Gilens
- Benjamin Page
- Dani Rodrik
- Thomas Pynchon
- Platon
- Volker Pispers
- Ferdinand Lassalle
- Rosa Luxemburg
- Margaret Thatcher
- Julian Assange
- Heinrich Böll
- Günter Grass
- Hans Magnus Enzensberger
- Wilhelm Reich
- Klaus Buchner
- Oxfam
- RAND Corporation
- Bundeszentrale für politische Bildung
- Weltgesundheitsorganisation – WHO
- Weltwirtschaftsforum
- NATO
- Europäische Union
- Frontex
- CIA
Genannte Zahlen und konkrete Angaben
- Demokratie sei nach ihrer Entstehung über rund 2.000 Jahre negativ bewertet worden.
- Die von Mausfeld beschriebene Entzivilisierung von Macht erstrecke sich über etwa 50 bis 70 Jahre.
- Das Vermögen der zehn reichsten Menschen sei während der Coronapandemie von ungefähr 700 Milliarden auf 1,5 Billionen US-Dollar gestiegen.
- Der durchschnittliche Vermögenszuwachs dieser Gruppe wird mit etwa 1,5 Milliarden US-Dollar pro Tag angegeben.
- Die RAND-Untersuchung beziehe sich auf den Zeitraum 1975 bis 2018.
- Die unteren 90 Prozent der US-Bevölkerung hätten nach Mausfelds Darstellung ohne bestimmte Umverteilungsmechanismen rund 47 Billionen US-Dollar mehr erhalten.
- Die USA seien in fast 90 Prozent der rund 250 Jahre ihrer Existenz im Krieg gewesen und nur in 21 Jahren nicht.
- Seit 1789 hätten die USA laut einem erwähnten Bericht weltweit 469 Militärinterventionen durchgeführt.
- Davon seien etwa 250 Interventionen zwischen 1991 und 2022 erfolgt.
- Die unteren 50 Prozent der Einkommensverteilung hätten laut der Studie von Gilens und Page nahezu keinen eigenständigen Einfluss auf politische Entscheidungen.
- Die deutsche Untersuchung beziehe sich auf die Jahre 1998 bis 2015.
- Laut einer zitierten Umfrage hätten nur 34 Prozent Vertrauen in die deutsche Regierung.
- In einer erwähnten Wahlumfrage hätten 54 Prozent erneut Parteien unterstützt, die Mausfeld für die bestehenden Verhältnisse verantwortlich macht.
- Der Vortrag dauert bis ungefähr 01:30:17, anschließend folgt die Fragerunde bis etwa 02:22:17.
- Beim athenischen Scherbengericht habe eine Verbannung beispielsweise fünf Jahre dauern können.
- Nach Mausfelds Darstellung seien emanzipatorische Erfolge häufig von ungefähr zwei Prozent einer Gesellschaft angestoßen worden.
Genannte Quellen, Bücher, Studien oder Dokumente
- Hans Kelsen: Aussage über Demokratie als besonders missbrauchtes Wort der politischen Ideengeschichte
- Bundeszentrale für politische Bildung: Definitionen und Aussagen zur Demokratie
- Oxfam-Bericht zur globalen Vermögensverteilung
- RAND Corporation: Untersuchung zur langfristigen Umverteilung in den USA
- Studien beziehungsweise Bücher von Heinz Düx
- Sebastian Haffner: Aussagen zur politischen Wirkungslosigkeit des Volkes
- Karl Jaspers: Untersuchungen zur politischen Situation der Bundesrepublik
- Arbeiten von Daron Acemoğlu und James A. Robinson
- Arbeiten von Wolfgang Streeck
- NSC 68
- Wolfowitz-Doktrin
- Studie von Martin Gilens und Benjamin Page aus dem Jahr 2014
- Deutsche Untersuchung zum Einfluss unterschiedlicher Einkommensgruppen auf politische Entscheidungen
- Platons „Der Staat“ und das Höhlengleichnis
- Thomas Pynchon: Aussage über die Bedeutung der richtigen Fragen
- Rosa Luxemburg: Text zur kollektiven Erfahrung und schöpferischen Entwicklung
- Wilhelm Reich: „Massenpsychologie des Faschismus“
- Edelman Trust Barometer
- Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses zu Militärinterventionen
- Mausfeld verweist mehrfach auf eigene Bücher, ohne im Transkript einen eindeutigen Titel zu nennen.
Unklare oder nicht sicher zuordenbare Stellen
- Mehrere automatisch transkribierte Namen und Begriffe sind fehlerhaft wiedergegeben. Dazu gehören einzelne Autoren- und Werktitel sowie einige englischsprachige Fachbegriffe.
- Die im Transkript genannte Zahl zur RAND-Studie erscheint als „47 Milliarden“, während der unmittelbare Kontext möglicherweise eine andere Größenordnung bezeichnet. Die Angabe wurde deshalb in der Zusammenfassung vorsichtig wiedergegeben.
- Der genaue Titel des angekündigten Vortrags lautet im Transkript „Demokratie am Abgrund“. Weitere Metadaten zum Veröffentlichungsdatum oder Kanal sind nicht enthalten.
- Einige Wortmeldungen aus dem Publikum sind akustisch beziehungsweise sprachlich nur eingeschränkt verständlich und wurden nur inhaltlich zusammengefasst.


