Podcast

Kayvan Soufi-Siavash über seine Medienkarriere, den Verlust von KenFM und seine spirituelle Weltsicht

(geschätzte Lesezeit:

16

Minuten)

Originaltitel:

Verbotener Gast: Darf dieser Podcast online bleiben?

Veröffentlicht am:

20. Dezember 2025

Dauer:

4:39:02

Kurzbeschreibung

Kayvan Soufi-Siavash spricht mit Ben Berndt über seine Kindheit, seine Laufbahn beim Radio, den Aufbau von KenFM und den Ausschluss aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie von großen Onlineplattformen. Weitere Schwerpunkte sind seine Vorstellungen von Bewusstsein und Wiedergeburt, seine Kritik an Medien, staatlichen Institutionen und der Corona-Politik sowie seine Haltung zu Angst, persönlicher Verantwortung und politischer Veränderung.

Zusammenfassung

Bewusstsein, Wiedergeburt und die Welt als Spiel

Zu Beginn erläutert Kayvan Soufi-Siavash seine Vorstellung, dass die wahrgenommene Realität wesentlich durch erlernte Zuschreibungen entstehe. Gegenstände wie ein Glas oder ein Auto hätten für Menschen eine bestimmte Bedeutung, weil sie diese Bedeutung gelernt hätten. Er beschreibt das menschliche Leben als eine besonders überzeugende dreidimensionale Benutzeroberfläche oder Simulation. Der Mensch sei nach seiner Vorstellung nicht mit der Figur identisch, die er im Alltag spiele, sondern Teil eines umfassenderen Bewusstseins.

Soufi-Siavash vergleicht das Leben mit einem Computerspiel. Im Schlaf werde die Verbindung zur alltäglichen Figur vorübergehend unterbrochen. Der Tod sei entsprechend kein endgültiges Ende, sondern das Ablegen der Rolle. Aus dieser Vorstellung leitet er ab, dass Menschen keine Angst vor dem Tod haben müssten. Das Leben diene dazu, Erfahrungen zu sammeln und zwischen unterschiedlichen Handlungsweisen zu wählen.

Er geht von einer göttlichen Schöpfung aus, in der Menschen verschiedene Möglichkeiten durchspielten. Das menschliche Gewissen versteht er als inneren Kompass. Wer anderen schade, könne dadurch innerhalb der materiellen Welt zwar Macht oder Vorteile gewinnen, bleibe aber an diese Ebene gebunden. Wer sich für ein aufrichtiges und möglichst schadloses Handeln entscheide, könne sich nach seiner Vorstellung aus diesem Kreislauf lösen.

Soufi-Siavash betont, diese Weltsicht nicht beweisen zu können. Für ihn besitze sie jedoch eine ähnliche Gewissheit wie Liebe, Verbundenheit oder die Freude über ein Kind: Solche Erfahrungen könnten ebenfalls nicht objektiv bewiesen werden, seien für den Erlebenden aber real. Organisierte Religionen betrachtet er kritisch, weil sie den spirituellen Kern seiner Ansicht nach häufig institutionell nutzten. Er bezieht sich stattdessen auf religiöse und mystische Figuren wie Jesus, Buddha, Georges I. Gurdjieff, Eckhart Tolle und Bruno Gröning.

Kindheit, Familie und frühe Unabhängigkeit

Soufi-Siavash erzählt, dass sein Vater die Familie verlassen habe, als er etwa fünfeinhalb Jahre alt gewesen sei. Erst später habe er durch Briefe seiner Mutter erfahren, dass der Vater nach seiner Rückkehr in den Iran inhaftiert worden sei. In seiner Kindheit sei der Vater dagegen als jemand dargestellt worden, der die Familie freiwillig verlassen habe.

Die Familie sei nach dem Wegfall des Vaters von einem privilegierteren Diplomatenhaushalt in die Sozialhilfe geraten. Soufi-Siavash wuchs mit fünf Geschwistern in der Nähe von Reutlingen auf und besuchte eine Waldorfschule. Er beschreibt die Familie als öffentlich auffällig: Die Kinder seien ähnlich alt gewesen, hätten wegen knapper finanzieller Mittel häufig gleich ausgesehen und seien in der örtlichen Umgebung als Kinder eines iranischen Vaters wahrgenommen worden.

Die familiäre Erfahrung habe sein Verhältnis zu Autoritäten dauerhaft geprägt. Als Kind habe er erkannt, dass Erwachsene und Eltern nicht automatisch über Antworten oder Stabilität verfügten. Seitdem, so seine Darstellung, beobachte er Autoritäten besonders kritisch und richte seine Aufmerksamkeit bevorzugt auf das, was nicht gezeigt werden solle.

Er bezeichnet sich in der Kindheit als sehr schüchtern und zugleich innerlich widerständig. Früh habe er begonnen, Menschen, familiäre Machtverhältnisse und gesellschaftliche Verhaltensmuster zu beobachten. Zeitweise habe er geglaubt, kein gewöhnlicher Mensch, sondern eine Art Roboter zu sein. Damit beschreibt er sein damaliges Gefühl, nicht eindeutig in seine Umgebung zu gehören.

Musik und Literatur seien für ihn Rückzugsräume gewesen. Er nennt unter anderem Malcolm X, Nina Simone, James Brown und Public Enemy als prägende Einflüsse. Die Texte und Biografien dieser Künstler und politischen Figuren hätten ihm Möglichkeiten gezeigt, Widerstand, Würde und gesellschaftliche Außenseiterpositionen zu verstehen.

Bereits als Jugendlicher habe er zahlreiche Hilfsarbeiten angenommen, unter anderem in Fabriken, einer Bäckerei, bei einem Fahrradhändler und einem Buchbinder. Einen Teil seines Geldes habe er für Schallplatten und Bücher ausgegeben. Er schildert Zeiten, in denen zu Hause wenig Nahrung vorhanden gewesen sei und er sich von günstigem „Brezelbruch“ ernährt habe.

Während der Schulferien fuhr er nach eigenen Angaben im Alter von etwa 15 oder 16 Jahren auf Handelsschiffen über den Atlantik. Zunächst habe er erwogen, Nautik zu studieren und Kapitän zu werden. Die Arbeit auf Schiffen habe ihm gefallen, weil er dort als Erwachsener behandelt worden sei, verschiedene Hierarchiestufen beobachten und sich zugleich zurückziehen konnte.

Bundeswehr und Beobachtung von Macht

Nach einer zu kurzen Tätigkeit bei der Handelsmarine sei Soufi-Siavash dennoch zur Bundeswehr eingezogen worden. Er beschreibt seinen Wehrdienst als praktische Untersuchung eines hierarchischen und autoritären Systems. Besonders habe ihn interessiert, wie sich Menschen veränderten, sobald sie eine Uniform, einen Rang oder begrenzte Weisungsbefugnisse erhielten.

Er habe Anweisungen häufig übertrieben, verfremdet oder sabotiert. Als Beispiel erzählt er, dass er einen Panzer nicht konventionell für den Winter lackiert, sondern gestalterisch verändert habe. Nach zwölf Monaten sei er vorzeitig entlassen worden. Als Begründung sei ihm sinngemäß mitgeteilt worden, mit ihm lasse sich kein Krieg gewinnen. Er selbst ergänzt, mit ihm lasse sich auch keiner beginnen.

Aus dieser Zeit habe er die Überzeugung mitgenommen, dass Macht nicht nur durch große Institutionen entstehe, sondern bereits durch kleine Statusunterschiede. Menschen könnten ihre Haltung verändern, sobald sie über andere bestimmen dürften.

Einstieg ins Privatradio

Sein Weg zum Radio begann nach seiner Darstellung in Reutlingen, als dort mehrere private Sender entstanden. Bei einem neu gegründeten Sender habe er zunächst ohne feste Aufgabe geholfen, Räume einzurichten, Teppiche zu verlegen, Post zu transportieren und Musik zu organisieren. Durch seine Kenntnisse über Musik und den örtlichen Dialekt wurde er Assistent des Musikredakteurs.

Als dieser abwesend gewesen sei, habe Soufi-Siavash die Musikredaktion zeitweise übernommen und das Programm stärker mit Hip-Hop, Soul und ungewöhnlichen Mischungen geprägt. Eines Nachts sei ein Moderator ausgefallen. Soufi-Siavash habe spontan selbst moderiert, Bandmaschinen als Echoeffekt eingesetzt und Hörer aufgefordert, ins Studio zu kommen. Kurz darauf seien unter anderem Lastwagenfahrer erschienen und Teil der Sendung geworden.

Die Reaktion auf diese improvisierte Sendung habe dazu geführt, dass ihm ein Volontariat angeboten beziehungsweise auferlegt worden sei. Dadurch habe er neben der Musikredaktion auch journalistische Abteilungen durchlaufen. Er berichtet von Beiträgen über Umwelt- und Gesundheitsthemen sowie von aufwendig gestalteten Radiofeatures.

Ein Porträt über den Citroën 2CV habe einen baden-württembergischen Hörfunkpreis erhalten. Ein weiteres Feature befasste sich mit der Waffenproduktion in Oberndorf am Neckar und der Frage, wie Beschäftigte einer Waffenfabrik ihre Arbeit mit ihrem religiösen und privaten Selbstbild verbanden.

Mit diesen Arbeiten bewarb er sich in Berlin und kam zu Radio 4U beziehungsweise später zum Jugendsender Fritz. Dort arbeitete er über viele Jahre in unterschiedlichen redaktionellen Bereichen.

Radio, Fernsehen und der Aufbau von KenFM

Soufi-Siavash beschreibt Berlin nach dem Mauerfall als offenen, wenig regulierten Raum. Im öffentlich-rechtlichen Radio begann er, Beiträge nicht nur für den eigenen Sender zu produzieren, sondern an verschiedene ARD-Anstalten zu verkaufen. Statt fertige Beiträge in einen gemeinsamen Austausch zu geben, habe er Ideen vorab mehreren Sendern jeweils als exklusive Produktion angeboten.

Als Beispiel schildert er eine Aktion bei einer Presseveranstaltung mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Er habe versucht, Kohl ein Sender-T-Shirt zu überreichen, sei aus dem Saal entfernt worden und habe die gesamte Situation aufgezeichnet. Der daraus entstandene Beitrag sei von mehreren Sendern übernommen worden. In der Folge habe er nach eigener Aussage zeitweise etwa 90 Beiträge pro Monat verkauft.

Mit Einnahmen aus diesen Produktionen beteiligte er sich an einer Fernsehproduktionsfirma und arbeitete auch für die Deutsche Welle. Parallel setzte er sich bei Fritz für eine eigene Sendung ein. Daraus entstand KenFM.

Das Format verband Live-Musik, Gespräche, politische Themen und inszenierte Aktionen. Die Sendung wurde zunächst am frühen Samstagmorgen ausgestrahlt und in einem Modegeschäft in Berlin-Mitte produziert. Soufi-Siavash berichtet, dass dort zahlreiche später bekannte Bands auftraten, darunter Seeed, Gentleman und The BossHoss. Insgesamt seien während der Laufzeit rund 1.800 Bands beteiligt gewesen.

Später wechselte die Sendung unter anderem in Präsentationsräume von Peugeot und Mini. Soufi-Siavash beschreibt KenFM als „Aktionsradio“, bei dem öffentliche Räume, Musik, gesellschaftliche Themen und spontane Begegnungen verbunden wurden. Zu den Aktionen gehörten Konzerte, Auktionen, Veranstaltungen mit Schlittenhunden, ungewöhnliche Straßeninszenierungen und Sendungen aus Autohäusern.

Neben den Liveformaten produzierte er ausführlichere Beiträge über Themen wie NATO-Geheimarmeen, posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten und das Geldsystem. Dabei lernte er nach eigener Darstellung unter anderem Daniele Ganser kennen.

Ausschluss aus dem RBB

2011 wurde seine Zusammenarbeit mit dem RBB beendet. Soufi-Siavash stellt den Vorgang als Ergebnis externen Drucks dar. Ein Vorwurf gegen ihn sei öffentlich verbreitet worden, während eine weitere Ausgabe seiner Sendung lief. Der Sender habe die Übertragung daraufhin vorzeitig beendet.

Er weist die damaligen Antisemitismusvorwürfe zurück. Nach seiner Darstellung entstand der Vorwurf durch eine aus dem Zusammenhang gelöste private Nachricht. Er habe darin über Propagandatechniken gesprochen und auf Edward Bernays sowie Joseph Goebbels Bezug genommen. Daraus sei die Behauptung konstruiert worden, er habe den Holocaust als bloße Propaganda bezeichnet oder geleugnet.

Soufi-Siavash argumentiert dagegen, dass er sich in Hunderten Ausgaben einer Rubrik regelmäßig mit dem Holocaust, totalitären Systemen, Rassismus und politischer Willkür beschäftigt habe. Er spricht von 445 Folgen der Rubrik. Außerdem habe er Überlebende getroffen, in Israel recherchiert und sich mit dem Aufbau totalitärer Systeme befasst.
Den eigentlichen Konflikt sieht er in seiner Kritik an deutscher und amerikanischer Außenpolitik, der NATO, Israel und westlichen Machtstrukturen. Seiner Einschätzung nach sei ein Anlass gesucht worden, um ihn aus dem Programm zu entfernen. Er beschreibt den Vorgang als Beispiel dafür, wie eine öffentlich verbreitete Zuschreibung eine langjährige Arbeit überlagern könne.

KenFM im Internet und Kontrolle über Plattformen

Nach dem Ende beim RBB verlegte Soufi-Siavash KenFM in private Räume und begann, längere Gespräche über das Internet zu veröffentlichen. Das Format „KenFM im Gespräch“ orientierte sich nach seiner Beschreibung an ausführlichen Personeninterviews. Gäste sollten über längere Zeit sprechen können, ohne fortlaufend unterbrochen oder eingeordnet zu werden.

Die Reichweite wuchs stark. Soufi-Siavash erklärt den Erfolg damit, dass bei KenFM Personen zu Wort gekommen seien, die in etablierten Medien weniger Raum erhalten hätten. Zugleich habe die Redaktion Themen behandelt, die seiner Auffassung nach in öffentlich-rechtlichen Formaten nicht ausreichend vorkamen.

Die Plattformen, auf denen diese Inhalte erschienen, betrachtet er rückblickend nicht als eigenes Eigentum. Ein YouTube-Kanal gehöre letztlich YouTube und könne entzogen werden. Das betreffe auch Podcastplattformen, Zahlungsanbieter und Banken. Digitale Reichweite, die auf fremder Infrastruktur aufgebaut werde, bleibe deshalb grundsätzlich abhängig.

Während der Corona-Zeit wurden der YouTube-Kanal und weitere Verbreitungswege von KenFM entfernt. Ben fasst im Gespräch zusammen, dass zwischen 2011 und 2020 ein erfolgreiches unabhängiges Medienangebot entstanden sei und anschließend mehrere Plattformen, darunter YouTube sowie Podcastdienste, den Zugang beendet hätten. Soufi-Siavash bezeichnet diese Vorgänge als koordiniert und verweist zusätzlich auf Probleme mit Banken und Zahlungsdienstleistern.

Er argumentiert, dass der Ausschluss einer Person die dahinterstehenden Inhalte nicht beseitige. Stattdessen könnten neue Medienangebote und Nachfolger entstehen. Als Beispiel nennt er Ben Berndts Podcast und weitere unabhängige Formate. Versuche, einzelne Personen aus der Öffentlichkeit zu entfernen, erzeugten seiner Einschätzung nach neue Verbreitungswege.

Medien, Narrative und gesellschaftliche Macht

Soufi-Siavash beschreibt Medien nicht primär als neutrale Vermittler von Ereignissen, sondern als Produzenten von gesellschaftlichen Narrativen. Menschen lebten nach seiner Auffassung in Geschichten, die ihnen erklärten, wer zu „uns“ und wer zu „den anderen“ gehöre. Wer die grundlegenden Erzählungen kontrolliere, könne politische und gesellschaftliche Macht organisieren.

Er vergleicht gesellschaftliche Systeme mit Spielen, die sichtbare und unsichtbare Regeln hätten. Innerhalb eines Rahmens dürfe viel kritisiert werden, bestimmte Machtgrundlagen oder außenpolitische Bündnisse seien jedoch weniger frei verhandelbar. Rufschädigung, Kontokündigungen oder Plattformausschlüsse versteht er als moderne Formen sozialer Sanktionierung.

Als historische Vergleiche nennt er Martin Luther und den Buchdruck. Die Übersetzung und Verbreitung der Bibel habe Wissen zugänglich gemacht, das zuvor institutionell kontrolliert worden sei. Macht beruhe daher nicht nur auf Geld oder Besitz, sondern auch auf der Verknappung von Wissen.

Schulen und Universitäten beschreibt er als Einrichtungen, die Menschen auf bestehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen vorbereiteten. Er stellt dem eine selbstständige Bildung gegenüber, die sich nicht auf institutionell vorgegebene Perspektiven beschränke.

Corona, Impfung und technologische Kontrolle

Im weiteren Gespräch vertritt Soufi-Siavash weitreichende Thesen zur Corona-Pandemie, zur Impfung und zum Transhumanismus. Er bezeichnet die Pandemie als Teil einer Entwicklung, die auf stärkere technologische Steuerung, eine sinkende Geburtenrate und eine Verringerung der menschlichen Bevölkerung ziele. Er verbindet dies mit der Erwartung, dass künstliche Intelligenz einen sehr großen Teil der bisherigen Arbeitsplätze ersetzen werde.

Die Impfkampagne beschreibt er als politischen und gesellschaftlichen Loyalitätstest. Für ihn sei bereits früh erkennbar gewesen, dass die Impfung nicht zuverlässig verhindere, dass Menschen andere ansteckten. Er argumentiert, eine Impfung müsse den Geimpften schützen und könne daher nicht davon abhängig sein, dass sich alle anderen ebenfalls impfen ließen.

Ben berichtet in diesem Abschnitt von eigenen Erfahrungen während der Corona-Zeit. Soufi-Siavash konfrontiert ihn mit der Frage, ob er in Konfliktsituationen ein Video entfernen würde, wenn davon die wirtschaftliche Existenz seines Teams abhinge. Ben bezeichnet die Entscheidung zunächst als komplex. Soufi-Siavash hält dagegen, die Grundentscheidung zwischen Nachgeben und Nichtnachgeben sei eindeutig, auch wenn die Folgen viele Menschen beträfen.

Beide sprechen darüber, wie gesellschaftlicher Druck Freundschaften und persönliche Beziehungen verändert habe. Soufi-Siavash interpretiert die Pandemie als Situation, in der sichtbar geworden sei, wie Menschen auf Angst, Gruppendruck und institutionelle Anweisungen reagierten.

Berufung, Angst und persönliche Verantwortung

Soufi-Siavash unterscheidet zwischen einem Beruf als Erwerbsarbeit und einer Berufung, die Teil der eigenen Identität sei. Menschen sollten seiner Auffassung nach herausfinden, welche Tätigkeit ohne äußere Belohnung durch sie hindurch wirke. Er beschreibt sich selbst weniger als Urheber seiner Aussagen denn als Medium für Gedanken, die ausgesprochen werden müssten.

Eine zentrale Forderung des Gesprächs lautet, sich nicht durch Angst steuern zu lassen. Institutionen wie WHO, NATO, EU, Medienhäuser oder Banken besäßen nach seiner Darstellung nur so viel Macht, wie Menschen ihnen zuschrieben. Wer bereit sei, Status, Einkommen oder öffentliche Anerkennung zu verlieren, könne schwerer kontrolliert werden.

Er betont, nicht in frühere Medienstrukturen zurückkehren zu wollen. Viele ausgeschlossene Personen litten seiner Ansicht nach vor allem darunter, dass sie wieder Anerkennung innerhalb des bestehenden Systems suchten. Er selbst behaupte dagegen, diesem System innerlich nie angehört zu haben.

Ben wird von Soufi-Siavash mehrfach persönlich analysiert. Er bezeichnet dessen Podcast unter anderem als eine Form der Verarbeitung früherer Erfahrungen in Südafrika. Zugleich würdigt er das private Gesprächssetting, weil es Gästen ermögliche, über Themen zu sprechen, die in stärker formalisierten Formaten nicht zur Sprache kämen.

Parteien, AfD und politische Veränderung

Im letzten Teil sprechen beide über Parteien und insbesondere die AfD. Soufi-Siavash erwartet nicht, dass eine Partei grundlegende gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen könne. Parteien seien Teil des Systems, das sie angeblich verändern sollten.

Er erwähnt eine Abstimmung in Baden-Württemberg, bei der Vertreter der AfD nach seiner Darstellung einer Überwachungssoftware zugestimmt hätten. Dies führt er als Beispiel dafür an, dass auch oppositionelle Parteien bei konkreten Machtfragen in bestehende Strukturen eingebunden würden.

Seine Aufforderung, die AfD zu wählen, formuliert er nicht als Hoffnung auf eine Lösung, sondern als Möglichkeit, Wähler die Grenzen parteipolitischer Veränderung selbst erfahren zu lassen. Er sagt voraus, dass viele Anhänger enttäuscht würden. Einzelne aufrichtige Personen könne es innerhalb von Parteien geben; auf dem Weg zu größerem Einfluss würden diese jedoch angepasst oder entfernt.

Politische Verantwortung verlagert Soufi-Siavash vom Parlament auf den Einzelnen. Menschen sollten sich weniger darauf konzentrieren, einer Partei ihre Stimme zu übertragen, und stärker prüfen, wie sie selbst leben, arbeiten, konsumieren und mit anderen umgehen. Gesellschaftliche Veränderung entstehe aus seiner Sicht nicht durch die Wahl einer rettenden Organisation, sondern durch persönliche Unabhängigkeit und aufrichtiges Handeln.

Zum Ende beschreibt Soufi-Siavash neue Gesprächs- und Veranstaltungsformate. Ihn interessierten Begegnungen, bei denen nicht ein festgelegter Fragenkatalog abgearbeitet werde. Menschen sollten gemeinsam in einem Raum sein, ohne dass jede Entwicklung vorab geplant sei.

Auf die Frage, ob das veröffentlichte Gespräch dauerhaft online bleiben werde, äußert er Unsicherheit. Er deutet an, dass ein Video entfernt werden könnte, wenn der Gastgeber unter erheblichen wirtschaftlichen oder institutionellen Druck gerate. Seine eigene Haltung sei, in einer solchen Situation nicht nachzugeben.

Zentrale Aussagen

  • Soufi-Siavash versteht die wahrgenommene Realität als erlernte Benutzeroberfläche und das menschliche Leben als zeitlich begrenzte Rolle innerhalb eines umfassenderen Bewusstseins. (00:01:21)
  • Er betrachtet den Tod nicht als endgültiges Ende, sondern als Verlassen einer Spielfigur beziehungsweise einer Realitätsebene. (00:02:35)
  • Das Gewissen sei ein innerer Kompass, anhand dessen Menschen zwischen schädigendem und aufrichtigem Handeln unterscheiden könnten. (00:06:38)
  • Der Verlust seines Vaters und die Instabilität seiner Familie hätten sein Misstrauen gegenüber Autoritäten früh geprägt. (00:11:48)
  • Musik, Literatur und Figuren wie Malcolm X hätten ihm eine Gegenwelt zu seiner Kindheit und gesellschaftlich erwarteten Rollen eröffnet. (00:12:26; 00:35:17)
  • Während seines Wehrdienstes habe er untersucht, wie Menschen auf geringe Machtzuwächse und hierarchische Strukturen reagierten. (00:39:31)
  • Seinen Einstieg ins Radio beschreibt er als Ergebnis praktischer Mitarbeit, umfangreicher Musikkenntnisse und spontaner Übernahme einer ausgefallenen Sendung. (00:45:06; 00:52:34)
  • KenFM habe Live-Musik, politische Gespräche, Radiofeatures und öffentliche Aktionen miteinander verbunden. (01:15:16)
  • Den Ausschluss beim RBB führt Soufi-Siavash auf politischen Druck und eine aus dem Zusammenhang gelöste Nachricht zurück. (01:32:11)
  • Er weist den Vorwurf zurück, den Holocaust geleugnet zu haben, und verweist auf seine langjährige Beschäftigung mit totalitären Systemen und Überlebenden. (01:34:36)
  • Nach dem Ende beim RBB habe er KenFM als internetbasiertes Gesprächsformat weitergeführt, in dem Gäste ausführlich und ohne ständige Unterbrechung sprechen konnten. (01:41:46)
  • Medienmacht beruhe seiner Ansicht nach vor allem auf der Kontrolle gesellschaftlicher Narrative und der Sanktionierung abweichender Positionen. (01:48:06)
  • Plattformen, Podcastanbieter, Banken und Zahlungsdienstleister könnten digitale Öffentlichkeit und wirtschaftliche Existenz entziehen; deshalb seien auf fremder Infrastruktur aufgebaute Medien nie vollständig unabhängig. (03:19:28)
  • Die Corona-Zeit deutet Soufi-Siavash als gesellschaftlichen Loyalitätstest und Teil einer technologischen Entwicklung hin zu stärkerer Kontrolle. (02:09:09)
  • Ein Mensch müsse bereit sein, äußere Sicherheit zu verlieren, wenn er sich nicht durch Angst oder institutionellen Druck steuern lassen wolle. (03:08:30)
  • Er erwartet weder von der AfD noch von anderen Parteien eine grundlegende Veränderung und verlagert politische Verantwortung auf das Handeln des Einzelnen. (04:07:42)
  • Seine zentrale persönliche Haltung lautet, sich nicht mit einer öffentlichen Rolle zu verwechseln und gegenüber Macht, Anerkennung und Angst innerlich unabhängig zu bleiben.

Genannte Personen und Organisationen

  • Kayvan Soufi-Siavash
  • Ben Berndt
  • Malcolm X
  • Nina Simone
  • James Brown
  • Public Enemy
  • Eckhart Tolle
  • Jesus
  • Buddha
  • Georges I. Gurdjieff
  • Bruno Gröning
  • Drewermann
  • Daniele Ganser
  • Ulrike Guérot
  • Walter Lippmann
  • Edward Bernays
  • Joseph Goebbels
  • Martin Luther
  • Johannes Gutenberg
  • Helmut Kohl
  • Helmut Schmidt
  • Oskar Lafontaine
  • Wolfgang Schäuble
  • François Peugeot
  • Volker Schlöndorff
  • Seeed
  • Gentleman
  • The BossHoss
  • Pat Metheny
  • Noam Chomsky
  • Whitney Webb
  • Radio 4U
  • Fritz
  • Sender Freies Berlin
  • Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg
  • Rundfunk Berlin-Brandenburg
  • ARD
  • ZDF
  • Deutsche Welle
  • WDR
  • NDR
  • HR
  • KenFM
  • YouTube
  • Spotify
  • Apple Podcasts
  • Peugeot
  • Mini
  • BMW
  • Red Bull
  • Bundeswehr
  • NATO
  • WHO
  • EU
  • AfD

Genannte Zahlen und konkrete Angaben

  • Soufi-Siavash wurde nach eigener Aussage 1966 geboren.
  • Sein Vater verschwand aus seinem Alltag, als er etwa fünfeinhalb Jahre alt war.
  • Er wuchs mit fünf Geschwistern auf.
  • Für den Besuch der Waldorfschule habe die Familie als Sozialhilfeempfänger nach seiner Erinnerung ungefähr 50 Mark monatlich gezahlt.
  • Mit etwa 15 oder 16 Jahren fuhr er erstmals während der Schulferien auf einem Handelsschiff.
  • Sein Wehrdienst war ursprünglich auf 15 Monate angelegt; nach zwölf Monaten wurde er nach eigener Darstellung entlassen.
  • Eine Schallplatte kostete nach seiner Erinnerung ungefähr 18 Mark.
  • Das Volontariat beim Privatradio dauerte nach seiner Darstellung drei Jahre.
  • Bei Fritz arbeitete er nach eigener Aussage etwa zehn Jahre, bevor er eine eigene Sendung erhielt.
  • Für KenFM nennt er rund 1.800 auftretende Bands innerhalb von zehn Jahren.
  • Er spricht von zeitweise ungefähr 90 verkauften Radiobeiträgen pro Monat.
  • Die Rubrik über historische und totalitäre Themen sei 445-mal ausgestrahlt worden.
  • Das Internetangebot KenFM sei von 2011 bis 2020 stark gewachsen.
  • Der YouTube-Kanal habe mehr als eine halbe Million Abonnenten erreicht.
  • Ben und Soufi-Siavash sprechen von einer erwartbaren Lebensspanne von ungefähr 80 bis 85 Jahren.
  • Soufi-Siavash behauptet, künstliche Intelligenz könne künftig 99 Prozent der bisherigen Tätigkeiten ersetzen.
  • Das Gespräch dauert laut Transkript ungefähr 4 Stunden und 38 Minuten.

Genannte Quellen, Bücher, Studien oder Dokumente

  • Edward Bernays: „Propaganda“
  • Victor Klemperer – Titel nicht eindeutig genannt
  • „IBM und der Holocaust“ – im Transkript als gelesene Veröffentlichung erwähnt
  • „Killing Hope“ – ausdrücklich genannt
  • „Soweit die Füße tragen“
  • Bibel
  • Arbeiten beziehungsweise Aussagen von Walter Lippmann
  • Schriften und Biografien über Malcolm X
  • Werke von Eckhart Tolle
  • Inhalte zu Bruno Gröning
  • Inhalte zu Georges I. Gurdjieff
  • Historische Dokumente und Gespräche mit Zeitzeugen zum Holocaust
  • Wikipedia-Eintrag zu Soufi-Siavash, mehrfach im Gespräch erwähnt

Unklare oder nicht sicher zuordenbare Stellen

  • Mehrere Namen, Buchtitel, Senderbezeichnungen und historische Einzelangaben sind im Transkript fehlerhaft oder stark lautsprachlich wiedergegeben.
  • Der genaue Videotitel und das Veröffentlichungsdatum wurden nicht angegeben.
  • Einige im Gespräch genannte Personen sind wegen der Transkriptqualität nicht eindeutig identifizierbar.
  • Verschiedene Zahlen und historische Abläufe werden aus Soufi-Siavashs Erinnerung wiedergegeben und teilweise von ihm selbst als ungefähr bezeichnet.
  • Der Name des frühen privaten Radiosenders erscheint im Transkript in unterschiedlichen beziehungsweise möglicherweise fehlerhaften Schreibweisen.
  • Die genaue Formulierung der Nachricht, die 2011 zum Konflikt mit dem RBB beitrug, wird nicht vollständig wiedergegeben.

Transparenzhinweis: Diese Zusammenfassung verdichtet ausschließlich die im Video geäußerten Inhalte. Sie enthält keine inhaltliche Bewertung oder externe Faktenprüfung. Aussagen in der Zusammenfassung sind den jeweiligen Sprechern zuzurechnen und nicht als redaktionelle Position der Plattform zu verstehen. Näheres zur Arbeitsweise finden Sie hier.

WERBUNG

Kees van der Pijl

Israel und 9/11

Der Aufstieg des atlantischen Zionismus

Der renommierte Politikwissenschaftler Kees van der Pijl analysiert die Hintergründe des "War on Terror", den die USA gegen Israels Feinde führen. Van der Pijl zeigt, dass diese Hintergründe bis Jahrzehnte vor den Anschlägen des 11. September reichen und die politischen Strukturen Israels und der USA weit vernetzt sind.

Mehr erfahren ...