Interview

Hermann Ploppa über Plattformkonzerne, Vermögenskonzentration und demokratische Gegenmodelle

(geschätzte Lesezeit:

7

Minuten)

Originaltitel:

Mit High Tech zurück in den neuen Feudalismus! | Hermann Ploppa

Veröffentlicht am:

21. Juli 2026

Person:

Dauer:

58:57

Kurzbeschreibung

Der Publizist und Autor Hermann Ploppa spricht mit dem Moderator von eingeSCHENKt.tv über sein Buch „Der neue Feudalismus“. Im Mittelpunkt stehen Plattformenkapitalismus, gesellschaftliche Enteignungsprozesse, politische Machtstrukturen sowie Genossenschaften, regionale Wirtschaftskreisläufe und direkte Demokratie als mögliche Gegenmodelle.

Zusammenfassung

Vom Plattformenkapitalismus zum „neuen Feudalismus“

Hermann Ploppa beschreibt sein Buch „Der neue Feudalismus“ als historischen Überblick über gesellschaftliche Macht- und Eigentumsverhältnisse. Er zeichnet darin nach eigener Darstellung Entwicklungen von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften über Bauernaufstände, das Hambacher Fest, Kaiserreich und Weimarer Republik bis zur Gegenwart nach. Ziel sei es zu zeigen, welche sozialen und politischen Rechte frühere Generationen erkämpft hätten und wie diese innerhalb weniger Generationen wieder verloren gehen könnten. [03:23–04:23]

Als zentrale gegenwärtige Entwicklung bezeichnet Ploppa eine weltweite Enteignungswelle. Nach seiner Einschätzung würden der Mittelstand, privater Hausbesitz und selbstständige wirtschaftliche Strukturen zunehmend unter Druck geraten. Gleichzeitig habe sich eine Oligarchie herausgebildet, die wirtschaftliche, technologische und politische Macht miteinander verbinde. [04:35–05:40]

Plattformunternehmen wie Amazon, große Technologiekonzerne und Unternehmen wie Palantir seien nach Ploppas Darstellung nicht nur Wirtschaftsakteure. Durch Cloud-Dienste, Datensammlung und Kooperationen mit Militär und Sicherheitsbehörden entstünden umfassende Informations- und Kontrollmöglichkeiten. Er äußert die Vermutung, dass Kauf- und Interessendaten auch zur Beobachtung oder Kategorisierung gesellschaftlicher Kritiker genutzt werden könnten. [05:40–06:34]

Als persönliches Beispiel berichtet Ploppa, Amazon habe sein am 17. November 2025 veröffentlichtes und über den Buchhandel lieferbares Buch weiterhin als nicht verfügbar angezeigt. Auch bei seinem älteren Buch „Hitlers amerikanische Lehrer“ habe es vergleichbare Probleme gegeben. Er bezeichnet dies als eine Form „kalter Zensur“ und kündigt mögliche juristische Schritte an. [06:37–08:07]

Internationale Machtverhältnisse und deutsche Wirtschaftspolitik

Ploppa vertritt die Auffassung, dass die globale Vormachtstellung der USA durch zahlreiche internationale Konflikte und eine politische Überdehnung geschwächt werde. Russland und China unterschieden sich seiner Einschätzung nach dadurch von westlichen Staaten, dass dort weiterhin ein Primat der Politik gegenüber wirtschaftlichen Oligarchen bestehe. [09:25–12:01]

Für Deutschland diagnostiziert er ein Scheitern des bisherigen Wirtschaftsmodells. Das Land habe sich vom eurasischen Handel und von günstiger russischer Energie abgeschnitten und dadurch seine Wettbewerbsfähigkeit beschädigt. Die Ausweitung der Rüstungsindustrie werde seiner Darstellung zufolge durch neue Schulden finanziert, während der dafür notwendige Bedarf politisch erzeugt werde. [18:32–19:39]

Ploppa ordnet Friedrich Merz als früheren Interessenvertreter von BlackRock ein. Merz sei nicht operativer Leiter des Unternehmens in Deutschland gewesen, sondern Aufsichtsratsvorsitzender, was Ploppa als lobbyistische Tätigkeit aufgrund seiner politischen Kontakte interpretiert. [21:20–22:10]

Netzwerke, Parteien und demokratische Institutionen

Als Teil der von ihm beschriebenen Machtstruktur nennt Ploppa sehr vermögende Unternehmer und Investoren, darunter Elon Musk und Bill Gates, außerdem Strategen, Medienvertreter und Verbandsfunktionäre. Am Beispiel des Council on Foreign Relations skizziert er ein mehrstufiges System, in dem Entscheidungen von vermögenden Akteuren und Intellektuellen über Medien und Verbände bis in lokale Organisationen weitergetragen würden. [23:22–25:41]

Parteien schreibt Ploppa kaum noch eigenständige Gestaltungsmacht zu. Aus seinen Erfahrungen bei verschiedenen politischen Projekten folgert er, dass Parteien häufig von Karriereinteressen, internen Machtkämpfen und Intrigen geprägt seien. Unabhängig davon, welche Partei regiere, bleibe die grundlegende politische Agenda seiner Ansicht nach weitgehend unverändert. [25:51–28:59; 40:52–41:40]

Deutschland bezeichnet er als „Fassadendemokratie“: Wahlen fänden weiterhin statt, die wesentlichen Entscheidungen würden seiner Auffassung nach jedoch an anderer Stelle getroffen. [50:06–50:33]

Auch den Rechtsstaat sieht er nur eingeschränkt funktionsfähig. In gewöhnlichen Fällen könne die Rechtsstaatlichkeit weiterhin greifen. Sobald jedoch mächtige politische oder internationale Interessen berührt würden, funktioniere sie seiner Einschätzung nach nicht mehr zuverlässig. Er kritisiert besonders politische Einflussmöglichkeiten auf Staatsanwaltschaften und Richterauswahl. [45:36–47:34]

Als Beispiel nennt er Sanktionen gegen den Journalisten Hüseyin Doğru, dessen Konten nach Ploppas Darstellung aufgrund eines EU-Sanktionspakets gesperrt seien. Er ordnet dies als Abschreckungsmaßnahme ein, die auch andere Journalisten von bestimmten Kontakten oder Veröffentlichungen abhalten solle. [47:59–50:02]

Genossenschaften, regionale Strukturen und direkte Demokratie

Als Gegenmodell fordert Ploppa eine stärkere Vernetzung bereits bestehender gesellschaftlicher Initiativen. Unter Berufung auf ein Buch von „Oli Gausmann“ nennt er rund 4.000 Initiativen in Deutschland, darunter energieautarke Dörfer, Regionalwährungen und Strukturen, die eine wirtschaftliche Abhängigkeit von internationalen Konzernen reduzieren wollten. Das Hauptproblem bestehe darin, dass diese Projekte zu wenig voneinander wüssten. [12:08–12:55]

Er fordert Netzwerkorganisationen, außeruniversitäre Denkfabriken und professionell arbeitende Journalisten, die solche Modelle allgemeinverständlich vermitteln. Außerdem spricht er sich für Genossenschaften, Sparkassen, regionale öffentliche Banken und subsidiäre staatliche Unterstützung aus. Historische Vorbilder sieht er in genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Institutionen des Kaiserreichs und früherer Jahrzehnte. [13:03–15:14]

Genossenschaften allein reichten nach seiner Auffassung jedoch nicht aus, da auch sie nur die Interessen ihrer Mitglieder vertreten könnten. Darüber müsse eine öffentlich-rechtliche Struktur stehen, die das Gemeinwohl und regionale Wirtschaftskreisläufe schütze. Die Abwicklung von Landesbanken und die Annäherung von Sparkassen und Genossenschaftsbanken an gewöhnliche Geschäftsbanken bewertet er als Verlust solcher Schutzmechanismen. [34:05–35:24]

Für politische Entscheidungen bevorzugt Ploppa direkte Beteiligungsformen. Er nennt lokale Bürgerversammlungen und häufige Volksabstimmungen in der Schweiz als Vorbild. Reale gesellschaftliche Gegenmacht entstehe seiner Ansicht nach eher durch Genossenschaften, lokale Organisationen und direkte Abstimmungen als durch neue Parteien. [38:34–41:00]

Gesellschaftliche Mobilisierung und Generationen

Ploppa sieht ein wesentliches Hindernis in der Spaltung unterschiedlicher Protestbewegungen. Er nennt die während der Coronazeit entstandenen Gruppen und die traditionelle Friedensbewegung, die trotz einzelner Annäherungen weiterhin nur schwer zusammenfänden. Auch zwischen den Generationen gebe es unterschiedliche politische Schwerpunkte. [51:42–52:19]

Junge Menschen seien nach seiner Einschätzung nicht grundsätzlich unpolitisch. Er verweist auf Proteste für Palästina, Tierschutzaktionen und Protestbewegungen der Generation Z. Die politischen Themen unterschieden sich jedoch von denen älterer Generationen. Entscheidend sei, diese Gruppen zusammenzuführen und möglichst viele Bevölkerungsteile zu motivieren und einzubeziehen. Nur eine motivierte und inklusive Gesellschaft könne gesellschaftliche Veränderungen erreichen. [52:19–54:38]

Zentrale Aussagen

  • Ploppa warnt vor einer weltweiten Konzentration von Eigentum und Macht, durch die Mittelstand, Wohneigentum und selbstständige Strukturen gefährdet seien. [04:35–05:40]
  • Plattform- und Technologiekonzerne verbänden wirtschaftliche Macht mit Datenverarbeitung, Militär und Sicherheitsstrukturen. [05:40–06:34]
  • Amazon habe seine lieferbaren Bücher als nicht verfügbar dargestellt, was er als „kalte Zensur“ bezeichnet. [06:37–08:07]
  • Die USA seien nach seiner Einschätzung aufgrund zahlreicher Konflikte und globaler Verpflichtungen überdehnt. [09:25–10:48]
  • Deutschland habe sich durch die Abkehr von russischer Energie und vom eurasischen Handel wirtschaftlich geschwächt. [18:32–19:22]
  • Parteien seien nach Ploppas Auffassung vor allem Vermittler einer außerhalb der Parlamente entwickelten Agenda. [28:21–28:59]
  • Vermögende Akteure, Strategen, Medien und Verbände bildeten hierarchisch organisierte Einflussnetzwerke. [23:22–25:41]
  • Deutschland sei eine „Fassadendemokratie“, weil Wahlen stattfänden, wesentliche Entscheidungen aber anderswo getroffen würden. [50:06–50:33]
  • Die Rechtsstaatlichkeit funktioniere seiner Einschätzung nach nur, solange mächtige Interessen nicht berührt würden. [45:36–47:34]
  • Genossenschaften, Sparkassen, Landesbanken und regionale Strukturen könnten wirtschaftliche Gegenmacht schaffen. [34:05–35:24]
  • Neue Parteien seien weniger erfolgversprechend als direkte Demokratie, lokale Versammlungen und wirtschaftliche Selbstorganisation. [38:34–41:00]
  • Bestehende alternative Initiativen müssten sich vernetzen und ihre Konzepte professionell vermitteln. [12:08–13:32]
  • Unterschiedliche Protestbewegungen und Generationen müssten miteinander ins Gespräch kommen. [51:42–54:38]
  • Gesellschaftliche Veränderung erfordere nach Ploppas Auffassung die Einbeziehung und Motivation möglichst aller Bevölkerungsteile. [33:27–33:54]

Genannte Personen und Organisationen

Personen

  • Hermann Ploppa
  • Matthias, Moderator
  • Thomas, Kamera
  • Martin Luther
  • Franklin D. Roosevelt
  • Ronald Reagan
  • Michail Gorbatschow
  • Boris Jelzin
  • John F. Kennedy
  • Nikita Chruschtschow
  • Friedrich Merz
  • Olaf Scholz
  • Elon Musk
  • Bill Gates
  • Henry Kissinger
  • Zbigniew Brzeziński
  • Peter Thiel
  • Margaret Thatcher
  • Willy Brandt
  • Gerhard Schröder
  • Joschka Fischer
  • Angela Merkel
  • Franz Müntefering
  • Frank Zappa
  • Peter Scholl-Latour
  • Gabriele Krone-Schmalz
  • Sahra Wagenknecht
  • Michael Nehls
  • Hüseyin Doğru
  • Thomas Röper
  • Alina Lipp
  • Jacques Baud
  • Andrea Drescher
  • Annalena Baerbock
  • Martin Luther King
  • „Oli Gausmann“ – Schreibweise im Transkript unsicher

Organisationen und Institutionen

  • eingeSCHENKt.tv
  • Amazon
  • Amazon Web Services
  • Palantir
  • Google
  • BlackRock
  • Council on Foreign Relations
  • ARD
  • CDU
  • SPD
  • FDP
  • CSU
  • Bündnis 90/Die Grünen
  • Die Linke
  • BSW
  • AfD
  • dieBasis
  • Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit
  • PDS
  • Deutsche Bank
  • DZ Bank
  • Sparkassen
  • Landesbanken
  • EU
  • BRICS
  • PFLP
  • Amadeu Antonio Stiftung
  • Antifa
  • Hannover Messe

Genannte Zahlen und konkrete Angaben

  • Ploppa nennt als Geburtsjahr 1953 und Flensburg als Geburtsort.
  • Er war nach Angaben des Moderators von 1983 bis 1987 bei den Grünen aktiv.
  • 2021 kandidierte er für dieBasis bei der Bundestagswahl.
  • „Hitlers amerikanische Lehrer“ erschien laut Moderator 2008.
  • „Die Macher hinter den Kulissen“ und „Der Griff nach Eurasien“ werden dem Jahr 2014 zugeordnet.
  • „Der neue Feudalismus“ umfasst laut Moderator 173 Seiten.
  • Ploppa nennt den 17. November 2025 als Erscheinungstermin des Buches.
  • Unter Bezugnahme auf ein anderes Buch spricht er von rund 4.000 alternativen Initiativen in Deutschland.
  • Der Moderator nennt 15 Billionen Euro Schulden im Zusammenhang mit der EU.
  • Ploppa spricht von Lohnerhöhungen um 11 Prozent während der Regierungszeit Willy Brandts.
  • Der Moderator nennt ein Lohngefälle zwischen Frauen und Männern von 20 bis 25 Prozent.
  • Ploppa spricht von ungefähr 200 Abstimmungen jährlich in der Schweiz.
  • Für den Konflikt um Hüseyin Doğru nennt Ploppa einen Zeitraum von etwa anderthalb Jahren mit gesperrten Konten.
  • Der Moderator nennt 1832 als Jahr des Hambacher Festes.
  • Für die deutsche demokratische Entwicklung nennt er anschließend einen Zeitraum von weiteren 16 Jahren.

Genannte Quellen, Bücher, Studien oder Dokumente

  • Hermann Ploppa: „Der neue Feudalismus“
  • Hermann Ploppa: „Hitlers amerikanische Lehrer“
  • Hermann Ploppa: „Die Macher hinter den Kulissen“
  • Hermann Ploppa: „Der Griff nach Eurasien“
  • „The Great Reset“ von „Oli Gausmann“ – Titel und Name nach Transkript, Schreibweise unsicher
  • Artikel „Danke Iran“ bei „Apolut Standpunkt“ – Bezeichnung im Transkript teilweise undeutlich
  • Text „Neuer Mantel für die PDS“ von Hermann Ploppa
  • Agenda 2010
  • Aussage „There is no alternative“, Margaret Thatcher zugeschrieben
  • Aussage, Politik sei die Unterhaltungsabteilung des militärisch-industriellen Komplexes, Frank Zappa zugeschrieben
  • Schlusszitat von Martin Luther King über ein brüderliches Zusammenleben

Unklare oder nicht sicher zuordenbare Stellen

  • Mehrere Eigennamen sind im automatischen Transkript erkennbar fehlerhaft wiedergegeben. Dazu gehören insbesondere „Oli Gausmann“, „Hüseyin Doğru“, „Jacques Baud“, „Apolut“ und einzelne historische Namen.
  • Der Moderator nennt im Zusammenhang mit den Büchern teilweise Jahreszahlen und Untertitel, die akustisch oder transkriptbedingt nicht vollständig eindeutig sind.
  • Mehrere aktuelle internationale Ereignisse werden ohne genaue Datumsangabe angesprochen. Die zeitliche Einordnung wurde daher nicht ergänzt.
  • Die Aussage über etwa 200 jährliche Abstimmungen in der Schweiz ist im Transkript allgemein formuliert und keiner bestimmten politischen Ebene zugeordnet.

Transparenzhinweis: Diese Zusammenfassung verdichtet ausschließlich die im Video geäußerten Inhalte. Sie enthält keine inhaltliche Bewertung oder externe Faktenprüfung. Aussagen in der Zusammenfassung sind den jeweiligen Sprechern zuzurechnen und nicht als redaktionelle Position der Plattform zu verstehen. Näheres zur Arbeitsweise finden Sie hier.

Inhaltsangabe

WERBUNG

Kees van der Pijl

Israel und 9/11

Der Aufstieg des atlantischen Zionismus

Der renommierte Politikwissenschaftler Kees van der Pijl analysiert die Hintergründe des "War on Terror", den die USA gegen Israels Feinde führen. Van der Pijl zeigt, dass diese Hintergründe bis Jahrzehnte vor den Anschlägen des 11. September reichen und die politischen Strukturen Israels und der USA weit vernetzt sind.

Mehr erfahren ...