Video-Essay

Dr. Daniele Ganser über die UNO und den Angriff der USA und Israels auf den Iran

(geschätzte Lesezeit:

6

Minuten)

Originaltitel:

Dr. Daniele Ganser: Die UNO und der illegale Angriff auf den Iran

Veröffentlicht am:

8. Mai 2026

Person:

Dauer:

41:52

Kurzbeschreibung

Daniele Ganser spricht über den Angriff der USA und Israels auf den Iran vom 28. Februar 2026 und ordnet ihn anhand des Gewaltverbots der UNO-Charta ein. Er behandelt die Reaktion Irans, die Debatte im UNO-Sicherheitsrat, unterschiedliche Positionen innerhalb von NATO und BRICS sowie frühere militärische Interventionen der USA.

Zusammenfassung

Das UNO-Gewaltverbot als Ausgangspunkt

Ganser stellt das Gewaltverbot aus Artikel 2 Absatz 4 der UNO-Charta ins Zentrum seiner Argumentation. Danach müssten die 193 Mitgliedstaaten in ihren internationalen Beziehungen auf die Androhung und Anwendung von Gewalt verzichten. Der gemeinsame Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 sei deshalb aus seiner Sicht eindeutig illegal. Er räumt ein, dass das Gewaltverbot vielfach verletzt worden sei, nennt unter anderem Russland in der Ukraine, die USA im Irak und die NATO-Bombardierung Serbiens. Dennoch hält er es für die wichtigste Grundlage zur Regelung zwischenstaatlicher Konflikte. (00:28–03:25)

Ganser kritisiert besonders Donald Trumps Haltung zum Völkerrecht. Er verweist auf den amerikanischen Angriff auf Venezuela und die Entführung Nicolás Maduros im Januar 2026 sowie auf Äußerungen Trumps, nach denen dieser sich nicht durch internationales Recht, sondern nur durch seine eigene Moral begrenzt sehe. Darin sieht Ganser eine grundsätzliche Gefährdung der internationalen Ordnung. (05:57–09:27)

Angriff auf den Iran und iranische Reaktion

Nach Gansers Darstellung griffen Israel und die USA den Iran gemeinsam an. Er vermutet, dass der maßgebliche Impuls von Benjamin Netanjahu ausgegangen sei und die Angreifer darauf gesetzt hätten, durch die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ali Chamenei einen Zusammenbruch der iranischen Führung auszulösen. Dieses Kalkül sei nicht aufgegangen. (09:39–12:55)

Der Iran habe daraufhin den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt. Ganser beziffert den dort transportierten Anteil am weltweiten Erdölbedarf auf rund 20 Prozent. Außerdem habe der Iran amerikanische Militärstützpunkte in mehreren Staaten der Region mit Raketen und Drohnen angegriffen. Diese Reaktionen betrachtet Ganser unter dem Gesichtspunkt des Selbstverteidigungsrechts gemäß Artikel 51 der UNO-Charta. (13:08–16:12)

Reaktionen aus Deutschland, NATO und BRICS

Ganser kritisiert Äußerungen von Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Bundeskanzler Friedrich Merz. Er wirft ihnen vor, den Iran sprachlich zum Feindbild zu machen beziehungsweise den Angriff der USA und Israels indirekt zu rechtfertigen, anstatt sich auf das UNO-Gewaltverbot zu beziehen. (16:17–19:45)

Er beschreibt zugleich unterschiedliche Positionen innerhalb der NATO. Spanien unter Pedro Sánchez habe die Nutzung amerikanischer Militärstützpunkte in Spanien für den Angriff auf den Iran verweigert und den Angriff als völkerrechtswidrig bezeichnet. Auch die Türkei versuche zu vermitteln. Die BRICS-Staaten, zu denen auch der Iran gehöre, stünden dem Angriff hingegen überwiegend ablehnend gegenüber. (19:53–25:29)

UNO-Sicherheitsrat und amerikanisches Vetorecht

Ganser geht ausführlich auf die Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats vom 28. Februar 2026 ein. Er zitiert Stellungnahmen des iranischen, chinesischen und russischen Botschafters, die den Angriff verurteilt hätten. Der amerikanische UNO-Botschafter Mike Waltz habe den Angriff dagegen als Selbstverteidigung gegen das iranische Atom- und Raketenprogramm dargestellt. Ganser weist diese Begründung zurück und argumentiert, das Völkerrecht erlaube keine präventiven Angriffskriege dieser Art. Eine Verurteilung der USA und Israels sei wegen des amerikanischen Vetorechts nicht zustande gekommen. (25:37–33:10)

Amerikanischer Imperialismus und politische Forderungen

Zum Ende stellt Ganser den Iran-Krieg in eine Reihe früherer amerikanischer Interventionen und Regierungsstürze seit 1945. Er nennt unter anderem Griechenland, Korea, Iran, Guatemala, Kongo, Vietnam, Indonesien, Kambodscha, Chile, Nicaragua, Panama, Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien. Daraus leitet er seine These eines langfristigen amerikanischen Imperialismus ab. (34:43–39:19)

Ganser fordert einen Austritt Deutschlands aus der NATO, die Schließung amerikanischer Militärstützpunkte in Deutschland und eine konsequente Orientierung am UNO-Gewaltverbot. Für ihn sei die Rückkehr zum Völkerrecht der entscheidende Gegenentwurf zu einer internationalen Ordnung, in der militärische Gewalt zunehmend als Mittel der Politik eingesetzt werde. (39:19–41:13)

Zentrale Aussagen

  • 00:28–03:25: Ganser bezeichnet das Gewaltverbot aus Artikel 2 Absatz 4 der UNO-Charta als grundlegende Regel für die Beziehungen zwischen den 193 Mitgliedstaaten.
  • 05:57–09:27: Er kritisiert Donald Trump dafür, internationales Recht nach seiner Darstellung ausdrücklich für entbehrlich zu erklären.
  • 09:39–12:55: Ganser bewertet den Angriff der USA und Israels auf den Iran vom 28. Februar 2026 als Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot.
  • 10:12–10:40: Er vermutet, dass der Impuls zum Angriff vor allem von Benjamin Netanjahu ausgegangen sei und die iranische Führung durch einen Enthauptungsschlag destabilisiert werden sollte.
  • 13:08–16:12: Ganser beschreibt die Einschränkung des Verkehrs durch die Straße von Hormus und Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte als zentrale Reaktionen Irans.
  • 15:45–16:12: Er verweist auf Artikel 51 der UNO-Charta und das Recht eines angegriffenen Staates auf Selbstverteidigung.
  • 16:17–19:45: Ganser kritisiert Aussagen von Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Friedrich Merz zum Iran und wirft ihnen vor, sich nicht konsequent am UNO-Gewaltverbot zu orientieren.
  • 19:53–23:15: Er stellt unterschiedliche Reaktionen innerhalb der NATO heraus und hebt insbesondere die ablehnende Haltung Spaniens hervor.
  • 23:21–25:29: Ganser beschreibt die BRICS-Staaten als überwiegend kritisch gegenüber dem Angriff.
  • 27:46–32:51: Er erläutert die Debatte im UNO-Sicherheitsrat und führt die ausbleibende Verurteilung der USA und Israels auf das amerikanische Vetorecht zurück.
  • 34:43–39:19: Ganser ordnet den Angriff auf den Iran in eine längere Geschichte amerikanischer Interventionen seit 1945 ein.
  • 39:19–40:08: Er fordert den Austritt Deutschlands aus der NATO sowie die Schließung amerikanischer Militärstützpunkte in Deutschland.
  • 40:14–41:13: Ganser plädiert trotz wiederholter Verstöße für die Beibehaltung und konsequente Anwendung des UNO-Gewaltverbots.

Genannte Personen und Organisationen

Personen:
Daniele Ganser, Donald Trump, Benjamin Netanjahu, Ali Chamenei, Mojtaba Chamenei, Nicolás Maduro, Saddam Hussein, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Friedrich Merz, Pedro Sánchez, Emmanuel Macron, Keir Starmer, Mark Rutte, Recep Tayyip Erdoğan, Luiz Inácio Lula da Silva, Cyril Ramaphosa, Narendra Modi, Wladimir Putin, Xi Jinping, Amir Saeid Iravani, Fu Cong, Wassili Nebensja, Mike Waltz, Noam Chomsky, Barack Obama, George W. Bush, George H. W. Bush, Bill Clinton, Richard Nixon, Ronald Reagan, Patrice Lumumba, Salvador Allende.

Organisationen und Staatenbündnisse:
UNO, UNO-Sicherheitsrat, NATO, BRICS, USA, Israel, Iran, Deutschland, Spanien, Russland, China sowie weitere im Vortrag genannte Staaten.

Genannte Zahlen und konkrete Angaben

  • 193 Staaten: Zahl der UNO-Mitgliedstaaten laut Ganser.
  • 28. Februar 2026: Datum des Angriffs der USA und Israels auf den Iran.
  • 3. Januar 2026: von Ganser genanntes Datum des amerikanischen Angriffs auf Venezuela.
  • Artikel 2 Absatz 4: Gewaltverbot der UNO-Charta.
  • Artikel 51: von Ganser genanntes Selbstverteidigungsrecht der UNO-Charta.
  • rund 20 %: Anteil des weltweiten Erdölbedarfs, der laut Ganser durch die Straße von Hormus transportiert werde.
  • 100 Millionen Fass pro Tag: von Ganser genannter weltweiter Erdölbedarf.
  • 159 Liter: Volumen eines Erdölfasses.
  • 170 Mädchen: laut Ganser bei der Bombardierung einer Mädchenschule im Iran getötet.
  • 32 Staaten: Zahl der NATO-Mitglieder laut Ganser.
  • 10 Staaten: Zahl der BRICS-Mitglieder laut Ganser.
  • 15 Staaten: Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats.
  • 5 Vetomächte: USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien.
  • Juni 2025: von Ganser erwähnter vorheriger Angriff Israels auf den Iran und anschließende amerikanische Bombardierungen.
  • 12 Tage: Dauer dieses von ihm genannten Krieges.
  • 1945: Beginn des von Ganser betrachteten Zeitraums nach Einführung des UNO-Gewaltverbots.

Genannte Quellen, Bücher, Studien oder Dokumente

  • UNO-Charta, insbesondere Artikel 2 Absatz 4 und Artikel 51.
  • Protokolle des UNO-Sicherheitsrats zur Dringlichkeitssitzung über den Iran vom 28. Februar 2026.
  • Daniele Ganser: „Europa im Erdölrausch – Die Geschichte einer gefährlichen Abhängigkeit“.
  • Daniele Ganser: „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“.
  • Gansers Forschungsarbeit zu Operation Gladio, die er als seine Doktorarbeit erwähnt.

Unklare oder nicht sicher zuordenbare Stellen

Im automatisch erstellten Transkript sind mehrere Namen und Begriffe fehlerhaft wiedergegeben. Die Sprecherzuordnung ist dagegen eindeutig, da es sich durchgehend um einen Vortrag von Daniele Ganser handelt.

Transparenzhinweis: Diese Zusammenfassung verdichtet ausschließlich die im Video geäußerten Inhalte. Sie enthält keine inhaltliche Bewertung oder externe Faktenprüfung. Aussagen in der Zusammenfassung sind den jeweiligen Sprechern zuzurechnen und nicht als redaktionelle Position der Plattform zu verstehen. Näheres zur Arbeitsweise finden Sie hier.

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