Interview

Cyber-Experte Holger über Datenschutz, Chatkontrolle, Palantir und digitale Überwachung

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7

Minuten)

Originaltitel:

Sie lesen deine Nachrichten – noch bevor du sie abschickst (Cyber-Experte)

Veröffentlicht am:

10. August 2026

Person:

Dauer:

1:39:46

Kurzbeschreibung

Im Gespräch bei „Ketzer der Neuzeit“ spricht der Cyber-Experte Holger über Datenschutz, Privatsphäre und Anonymität sowie über den Umgang großer IT-Unternehmen und staatlicher Stellen mit Nutzerdaten. Weitere Themen sind Palantir, Smart Cities, digitale Identitäten, Chatkontrolle, alternative Betriebssysteme und die Frage, wie Menschen mehr Kontrolle über ihre digitale Umgebung gewinnen können. Im späteren Verlauf wechselt das Gespräch zu gesellschaftlicher Verantwortung, Erziehung und christlichem Glauben.

Zusammenfassung

Datenschutz, Privatsphäre und Anonymität

Zu Beginn berichtet der Moderator von einer früheren Hausdurchsuchung und der Warnung eines Polizisten, zurückgegebene Festplatten könnten mit Überwachungssoftware versehen sein. Holger hält dies aus seiner Erfahrung für eher unwahrscheinlich, empfiehlt aber grundsätzlich eine technische Überprüfung solcher Datenträger.

Holger beschreibt anschließend seinen beruflichen Hintergrund. Er habe für große IT-Unternehmen gearbeitet, unter anderem bei Microsoft, und sich später selbstständig gemacht. Ausgangspunkt seiner heutigen Arbeit sei seine Beschäftigung mit den Nutzungsbedingungen großer Softwareanbieter gewesen. Dabei habe ihn insbesondere gestört, welchen Zugriff Unternehmen auf Nutzerdaten und Dateien beanspruchten. Daraus habe sich die Suche nach quelloffenen Alternativen und schließlich sein Unternehmen Liberty Labs entwickelt.

Ab 08:05 unterscheidet Holger vier Begriffe: Sicherheit, Schutz, Privatsphäre und Anonymität. Sicherheit beziehe sich etwa auf den Schutz vor Datenverlust, Schutz auf unerwünschte Zugriffe. Privatsphäre bedeute, selbst kontrollieren zu können, welche Informationen nach außen gelangen. Anonymität wiederum solle verhindern, dass vorhandene Daten einer konkreten Person zugeordnet werden können.

Datenhandel und digitale Profile

Holger argumentiert, dass Daten sowohl für kommerzielle Unternehmen als auch für staatliche Stellen und andere Akteure interessant seien. Als Beispiel nennt er den Werbemarkt großer Plattformkonzerne. Er verweist außerdem auf Recherchen, bei denen Bewegungsdaten von Smartphone-Nutzern über Datenhändler verfügbar gewesen seien. Solche Daten ließen sich seiner Darstellung zufolge häufig über Werbe-IDs und typische Aufenthaltsorte konkreten Personen zuordnen.

Smartphones bezeichnet Holger deshalb als Geräte, die ohne Einschränkungen sehr umfangreiche Informationen über ihre Nutzer sammeln könnten. Daten entstünden nicht nur auf Betriebssystemebene, sondern auch durch Apps, Navigationsdienste, Smart-TVs, Sprachassistenten und weitere vernetzte Geräte.

Beim Windows-Feature „Recall“ beschreibt er, dass regelmäßig Bildschirmaufnahmen erstellt würden, auf deren Grundlage eine KI später frühere Aktivitäten auffinden könne. Er sieht darin die Gefahr besonders umfassender Nutzerprofile, falls solche Daten in falsche Hände gelangten.

Palantir und staatliche Datenauswertung

Ab 21:09 sprechen die Beteiligten ausführlich über Palantir. Holger beschreibt das Unternehmen als Anbieter von Software, mit der Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander verknüpft und ausgewertet werden könnten. Ursprüngliche Anwendungen verortet er im militärischen und geheimdienstlichen Bereich.

Er führt aus, dass solche Systeme Informationen über Bewegungen, Kontakte, Zahlungen, Einkäufe und andere Aktivitäten zusammenführen könnten. Auch deutsche Polizeibehörden nutzten nach seiner Darstellung entsprechende Softwarelösungen. Für Hessen nennt er „HessenData“.

Holger sieht das zentrale Problem darin, dass die technischen Voraussetzungen für immer umfassendere Überwachung bereits vorhanden seien. Entscheidend sei daher weniger, was technisch möglich werde, sondern wer vorhandene Möglichkeiten tatsächlich einsetze.

Open Source als Alternative

Geschlossene Betriebssysteme wie Windows, macOS oder ChromeOS betrachtet Holger kritisch, weil Nutzer nicht vollständig nachvollziehen könnten, welche Prozesse im Hintergrund stattfinden. Als Alternative empfiehlt er quelloffene, vor allem Linux-basierte Systeme.

Sein Unternehmen versuche dabei, Datenschutzlösungen alltagstauglich zu machen. Als Beispiel nennt er Google-freie Android-Systeme, auf denen dennoch Banking- oder Krypto-Apps funktionieren sollen. Für Computer bietet Liberty Labs laut Holger ein Linux-basiertes System auf einem externen Datenträger an. Dieser werde an einen vorhandenen Laptop angeschlossen und enthalte Betriebssystem und Nutzerdaten verschlüsselt auf dem externen Laufwerk.

Sein Ziel sei nicht maximale Anonymität um jeden Preis. Je weiter man in Richtung vollständiger digitaler Anonymität gehe, desto komplizierter werde die Technik. Liberty Labs wolle daher einen praktikablen Einstieg schaffen.

Messenger, digitale Identität und Chatkontrolle

Telegram wäre für Holger nicht seine erste Wahl für besonders vertrauliche Kommunikation. Er verweist unter anderem darauf, dass Nutzer auf die Art der Verschlüsselung achten müssten und öffentliche beziehungsweise größere Gruppen keine vertraulichen Räume seien.

Ab etwa 41:21 richtet sich das Gespräch stärker auf staatliche Überwachung, digitale Identitäten und Smart Cities. Holger hält eine verpflichtende digitale ID für problematisch. Er argumentiert, dass Alters- oder Jugendschutz nicht dazu führen sollte, dass Nutzer sich auf Betriebssystemebene zentral identifizieren müssten. Verantwortung für den Medienkonsum von Kindern sieht er vor allem bei den Eltern.

Besonders ausführlich sprechen beide ab 47:17 über die sogenannte Chatkontrolle. Holger beschreibt die Idee so, dass Nachrichten bereits auf dem Gerät untersucht werden könnten, bevor eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung greift. Er vergleicht dies mit einem Brief, der vor dem Versand geöffnet, gelesen und anschließend wieder verschlossen werde. Aus seiner Sicht würde ein flächendeckendes Scannen privater Kommunikation deren privaten Charakter grundsätzlich verändern.

Smart Cities und Predictive Policing

Holger beschreibt außerdem intelligente Kamerasysteme, Gesichtserkennung, Kennzeichenerfassung und die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen. Er bringt dies mit „Predictive Policing“ in Verbindung, also dem Versuch, aus vorhandenen Daten zukünftige Risiken oder Straftaten abzuleiten.

Er warnt insbesondere vor einer Kombination verschiedener Systeme: Bewegungsdaten, digitale Identitäten, digitales Geld, vernetzte Fahrzeuge und umfangreiche Nutzerprofile könnten seiner Einschätzung nach technische Möglichkeiten schaffen, Personen automatisiert einzuschränken.

Gesellschaft, Erziehung und Eigenverantwortung

Ab etwa 01:04:28 entfernt sich das Gespräch zunehmend von der konkreten Cybersecurity. Holger spricht über psychologische Beeinflussung, politische Kommunikation und sogenannte Psyops. Als historisches Beispiel diskutieren beide die sogenannte Brutkasten-Geschichte vor dem Golfkrieg.

Anschließend sprechen sie über das Verhältnis zwischen Bürgern und Regierungen. Holger vertritt die Auffassung, dass Menschen Verantwortung häufig an externe Autoritäten delegierten. Als mögliches Erklärungsmodell verweist er auf psychologische Ansätze zu frühkindlichen Trennungserfahrungen. Er betont dabei selbst, kein Psychologe zu sein und diese Modelle lediglich aus persönlichem Interesse kennengelernt zu haben.

Auch das Schulsystem kritisiert er aus seiner persönlichen Wahrnehmung heraus. Es belohne seiner Ansicht nach häufig die möglichst genaue Wiedergabe vorgegebener Inhalte und bestrafe Fehler, wodurch selbstständiges Denken und Eigeninitiative erschwert würden.

Christlicher Glaube und persönlicher Handlungsspielraum

Im letzten Teil wird das Gespräch religiös. Der Moderator erläutert sein christliches Verständnis von Schuld, Vergebung und Jesus Christus. Holger bezeichnet sich selbst als Christ im Sinne des Urchristentums, grenzt dies jedoch teilweise von institutionellen Kirchen ab.

Er betont vor allem freien Willen, Selbstverantwortung und persönliches Handeln. Die Lehren Jesu könnten seiner Ansicht nach als moralischer Kompass dienen. Menschen sollten nicht darauf warten, dass andere ihre Probleme lösten, sondern selbst Verantwortung für ihr Leben und ihre Umgebung übernehmen.

Zum Abschluss verbindet Holger diesen Gedanken wieder mit seinem technischen Thema: Er möchte Menschen dazu bringen, Alternativen auszuprobieren, sich mit ihren digitalen Werkzeugen auseinanderzusetzen und schrittweise mehr Kontrolle über ihre Daten zu gewinnen.

Zentrale Aussagen

  • 08:05: Holger unterscheidet zwischen Sicherheit, Schutz, Privatsphäre und Anonymität und betont, dass diese Begriffe unterschiedliche technische Ziele beschreiben.
  • 13:42: Er sieht kommerzielle Datennutzung als wesentlichen Treiber der Datensammlung großer Plattformunternehmen.
  • 14:48: Holger verweist auf Recherchen, nach denen detaillierte Bewegungsdaten über Datenhändler erhältlich seien.
  • 17:19: Er beschreibt viele vernetzte Geräte als umfangreiche Datensammler und bezeichnet Smartphones ohne entsprechende Einschränkungen als besonders problematisch.
  • 19:18: Am Beispiel von Microsoft Recall warnt er vor umfassenden Aufzeichnungen der Computernutzung.
  • 21:09: Holger beschreibt Palantir als Anbieter von Technologien zur Zusammenführung und Analyse großer Datenmengen.
  • 27:08: Als Alternative zu geschlossenen Betriebssystemen empfiehlt er quelloffene, insbesondere Linux-basierte Lösungen.
  • 33:21: Er betont, dass stärkere Privatsphäre meist mit höherem technischem Aufwand verbunden sei und sucht deshalb nach alltagstauglichen Zwischenlösungen.
  • 35:12: Liberty Labs bietet nach seiner Darstellung unter anderem Google-freie Android-Systeme und Linux-Systeme auf externen Datenträgern an.
  • 41:21: Holger hält die technische Infrastruktur für sehr weitgehende Überwachung bereits heute für vorhanden.
  • 47:17: Die geplante Chatkontrolle beschreibt er als Überprüfung von Nachrichten vor deren verschlüsseltem Versand.
  • 53:33: Verpflichtende digitale Identitätsprüfungen lehnt Holger ab und sieht beim Jugendschutz vor allem Eltern in der Verantwortung.
  • 59:03: Im Zusammenhang mit Smart Cities spricht er über Kamerasysteme, Gesichtserkennung und automatisierte Datenauswertung.
  • 01:13:22: Holger führt psychologische Modelle an, die erklären sollen, warum Menschen Verantwortung an Autoritäten delegieren; er weist ausdrücklich darauf hin, selbst kein Psychologe zu sein.
  • 01:31:19: Die Lehren Jesu bezeichnet er als möglichen moralischen Kompass.
  • 01:35:13: Sein praktisches Ziel sei, Menschen zu motivieren, technische Alternativen auszuprobieren und selbst aktiv zu werden.

Genannte Personen und Organisationen

Holger; Moderator Leo; Bill Gates; Peter Thiel; Alex Karp; Pavel Durov; Jean-Claude Juncker; Donald Trump; Daniele Ganser; Jesus Christus; C. S. Lewis; Microsoft; Google; Meta; Facebook; Instagram; Amazon; Telegram; Signal; Palantir; CIA; Liberty Labs; Chaos Computer Club; Europäische Union; deutsche Polizeibehörden; Atlas Initiative.

Genannte Zahlen und konkrete Angaben

  • Holger gibt an, Liberty Labs ungefähr zweieinhalb Jahre zuvor begonnen zu haben.
  • Meta erziele laut einer von Holger genannten Statistik mehr als 160 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz beziehungsweise -einnahmen; er nennt dabei einen Anteil von mehr als 90 Prozent.
  • Bewegungsdaten für bestimmte geografische Gebiete seien laut Holger für ungefähr 14.000 US-Dollar als zeitlich begrenztes Datenpaket angeboten worden.
  • Microsoft Recall erstelle laut seiner Darstellung ungefähr alle 5 Sekunden einen Screenshot.
  • Windows 11 verschicke nach seiner Aussage teilweise mehr als 400 Telemetrie-Datenpakete pro Woche.
  • Ein von ihm genanntes Beispiel einer Smartphone-App enthalte 58 Tracker.
  • Liberty Labs bietet externe Datenträger mit laut Gespräch 1 bis 4 TB Kapazität an.
  • Als Alter seiner ältesten Kunden nennt Holger ungefähr 80 Jahre.
  • Für die USA erwähnt er eine Größenordnung von ungefähr einer Kamera pro 4,5 Einwohner beziehungsweise knapp 100 Millionen Kameras.
  • Bei bestimmten Apps würden laut Holger 68,7 Prozent der gesammelten persönlichen Daten an Dritte weitergegeben.
  • Der Mount Everest wird mit 8.848 Metern als bildhafter Vergleich für maximale digitale Anonymität genannt.

Genannte Quellen, Bücher, Studien oder Dokumente

  • Nutzungsbedingungen verschiedener großer IT-Unternehmen
  • Veröffentlichungen beziehungsweise Konferenzen des Chaos Computer Clubs
  • Statista, im Zusammenhang mit Werbeumsätzen von Meta
  • „Operation Northwoods“ als im Gespräch genanntes historisches Dokument
  • psychologische Erklärungsmodelle, die Holger Hans-Joachim Maaz zuordnet
  • Bibel beziehungsweise Lehren Jesu Christi
  • Werke beziehungsweise ein Zitat von C. S. Lewis

Unklare oder nicht sicher zuordenbare Stellen

Mehrere Eigennamen und Fachbegriffe sind im automatisch erstellten Transkript fehlerhaft wiedergegeben. Dazu gehören unter anderem die genaue Bezeichnung einzelner Personen, Organisationen und technischer Begriffe. Einige vom Gast genannten Zahlen, Untersuchungen und historischen Beispiele werden nur aus dem Gedächtnis wiedergegeben; teilweise weist Holger selbst auf Unsicherheit bei Details hin.

Transparenzhinweis: Diese Zusammenfassung verdichtet ausschließlich die im Video geäußerten Inhalte. Sie enthält keine inhaltliche Bewertung oder externe Faktenprüfung. Aussagen in der Zusammenfassung sind den jeweiligen Sprechern zuzurechnen und nicht als redaktionelle Position der Plattform zu verstehen. Näheres zur Arbeitsweise finden Sie hier.

Inhaltsangabe

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